3. April 2018

Eva-Maria Hagen: Eva und der Wolf


Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich das Buch gepackt. Die letzte Bildunterschrift lautet: „Frühjahr 1977, Wolf und Eva im Westen angekommen, aber trotz des schönen Apfels nicht im Paradies“.


Dieses Buch besteht aus Briefen von Eva-Maria Hagen und Wolf Biermann, Tagebucheintragungen von Eva-Maria, Berichten von IMs und einigen offiziellen Dokumenten.

Sie wollten nicht weg aus der DDR, Eva-Maria und Wolf. Doch man ließ ihnen keine Wahl.
Die beiden lieben sich, sie, die DDR-Schauspielerin, und er, der politische Querulant, der die Dinge beim Namen nennt.

Ihn bürgert man 1976 aus, als er bei einem Konzert in Köln, zu dem er die Reisegenehmigung hatte, bei einer Diskussion die DDR teilweise kritisiert, an anderer Stelle aber auch wieder verteidigt. Und irgendwie hat sich die DDR da ins eigene Fleisch geschnitten. Nach der Ausbürgerung wurde das gesamte Konzert, das vorher im Dritten des WDR gezeigt wurde (was in der DDR nicht empfangen werden konnte) im ARD-Fernsehen ausgestrahlt.

Und erst jetzt erfuhren viele DDR-Bürger erstmals etwas von Wolf Biermann und seinen Liedern.

Das Buch beginnt mit einem Brief von Eva-Maria Hagen aus dem Jahr 1965. Welch eine bildhafte Sprache. Verspielt, verliebt. Die Sprache ändert sich mit der Zeit. Wird sachlicher bei Problemen und wütend im Streit. Traurig und zornig nach der Ausbürgerung Biermanns. "Wolf, warum wurden Himmel und Hölle für das Jenseits erfunden, Gott und der Teufel, Paradies und Fegefeuer, wo es all das doch schon im Diesseits gibt?!"

Mit Wut habe ich die Berichte der IMs gelesen, mit Wut gelesen, wie man mit den Menschen aus Biermanns engstem Umkreis umgegangen ist. Wie man versucht hat, sie einzuschüchtern, zu drohen.
"Eva und der Wolf" erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, das Buch erzählt auch ein Stück Zeitgeschichte der DDR.

Wer ein wenig was über die DDR erfahren möchte und speziell über diese zwei Menschen, dem lege ich das Buch ans Herz.

Mehr über Eva-Maria Hagen findet Ihr auf ihrer Homepage.

Kommentare:

  1. "Wer ein wenig was über die DDR erfahren möchte..." - Toll, gekauft ;-)

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  2. Liebe Anne,

    vom Cover her hätte es mich jetzt gar nicht angesprochen, sieht es doch sehr nach Liebesgeschichte aus.
    Aber Dein Text hat mich überzeugt.
    Der Satz gefällt mir ja sehr:" Warum wurden Himmel und Hölle für das Jenseits erfunden..." Wie recht er hat!
    Wie als Jugendliche schon, stehe ich heute immer noch genau so fassungslos der DDR Diktatur gegenüber. Und ich vermisse es sehr, dass die DDR Geschichte in der Gesellschaft nie richtig aufgearbeitet wurde. Wie geht Dir das?
    Das Buch ist jedenfalls notiert und ich habe schon geguckt: Die Bücherei hat es. :)

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Moin, liebe Petrissa,

      ich bin da sehr zwiegespalten. Ja, die DDR war eine Diktatur. Allerdings eine von den meisten Menschen geduldete. Nach der Wende kamen zwar all die Geschichten über die Stasi und ihre Opfer ans Licht, aber die meisten Menschen haben sich in der DDR eingerichtet und ein ganz normales Leben geführt. Wer sich nicht aktiv gegen den Staat aufgelehnt hat, hat von der Stasi quasi nichts mitbekommen.
      Mir fehlt auch eine systematische Aufarbeitung. Die bisherigen Diskussionen kommen mir irgendwie scheinheiig vor. Zum Beispiel habe ich mal in einer Dokumentation gesehen, dass die oberen Stasileute nicht etwa entlassen und zur Verantwortung gezogen wurden, sondern dass sie schön ihre Posten an den entsprechenden Stellen im geeinten Deutschland bekommen haben.
      Das ist ein weites Feld, das zu beackern wäre.

      Liebe Grüße, Anne

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  3. Liebe Anne,

    wurde sie geduldet oder musste sie geduldet werden? Also ich stelle mir das so vor, wenn ich weiß, ich darf dies oder jenes nicht in der Öffentlichkeit sagen, halte ich erstmal meinen Mund. Dann passiert mir nach Außen hin nichts. Aber ist (war) es auch so, dass die Leute nach innen, in ihrer Familie, das System in Ordnung fanden?

    Wo mir immer so schlecht wird, wenn ich an die DDR denke, dass man ja eigentlich NIEMANDEM vertrauen kann. Selbst beim eigenen Mann weiß man nicht, ob er nicht heimlich für die Stasi spitzel. Wie findet man Freunde, wenn man sich nie sicher sein kann?
    Es liegt aber halt auch in meiner Natur, zu sagen, was ich denke. Wahrscheinlich finde ich es genau deswegen so schrecklich.
    Ich lese aber auch immer wieder, dass Assad und Iran ihre Foltermethoden aus der DDR haben.

    Ja, genau das meine ich. Irgendwann ist mir mit Schrecken bewusst geworden, dass all die Spitzel jetzt unbehelligt weiter leben. Daher ist für mich klar, ich könnte nie in den Osten ziehen.

    Bei den Nazis war es damals nach dem Krieg ja nicht anders. Es waren viel zu wenig Arbeiter da, deswegen haben die Nazis normale Posten bei Gericht oder in der Schule bekommen.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Liebe Petrissa,

      ich kann ja nur für mich sprechen. Als Jahrgang 64 bin ich 1981 aus der Schule raus, 1984 hatte ich meine Ausbildung fertig. Ich war in jungen Jahren (ich war zur Wende 25 Jahre alt) sehr unpolitisch. Eine Wahlmöglichkeit hatten wir eh nicht. Aber ich habe das nie infrage gestellt. Ich bin in dieses System hineingeboren und habe mein Leben gelebt. Klar habe ich mich mit Freunden und Arbeitskollegen unterhalten. Gerade was die Mangelwirtschaft betraf.
      In meiner Firma hatten wir auch zwei Kollegen, die für die Stasi tätig waren. Ich habe aber nie mitbekommen, dass mal jemand aus der Firma abgeholt wurde, oder dass jemand ganz plötzlich nicht wiederkam.
      Man sollte aber meiner Meinung nach auch ein bisschen differenzieren. Nicht alle Spitzel haben das freiwillig gemacht. Die Stasi hatte da so ihr ganz eigenes System, sich die Leute gefügig zu machen. Klar, es gab welche, die es freiwillig machten - für Vergünstigungen (Westgeld, mehr Urlaube im Ausland, Luxussachen). Aber sehr viele wollten es halt nicht tun und wurden gezwungen. Sie wurden unter Druck gesetzt. Und viele haben sich das Leben genommen, um sich dem zu entziehen.
      Wenn man jetzt sagt "dass all die Spitzel jetzt unbehelligt weiter leben" müsste man auch sagen, "dass all die ehemaligen DDR-Bürger jetzt unbehelligt weiter leben", denn die haben davon gewusst und haben es geduldet.
      So, wie wir heute in der so gelobten Demokratie vieles dulden, was nicht in Ordnung ist.

      Liebe Grüße, Anne

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