9. März 2018

Arturo Pérez-Reverte: Der Schlachtenmaler

Von Arturo Pérez-Reverte habe ich Der Club Dumas schon zweimal mit Begeisterung gelesen. Oder auch Der Fechtmeister, dessen Titel der Insel Taschenbuchverlag in Ein Stich ins Herz verwurschtelt hat.

Pérez-Reverte wurde 1951 in Cartagena, Spanien, geboren. Dort ist er einer der bekanntesten Autoren. Er fing als Journalist für die Tageszeitung El Pueblo an und berichtete für das spanische Fernsehen von den Brennpunkten der Welt. Als Schriftsteller wurde er berühmt durch die Abenteuerromane des Kapitän Alatriste und mit dem schon erwähnten Club Dumas.
Seit 2003 ist er Mitglied der Königlichen Spanischen Akademie.

Times Literary Supplement: Man kann Arturo Pérez-Revertes Bücher schwer aus der Hand legen. - Ich stimme zu.



Andrés Faulques lebt momentan in einem alten Wehrturm an der spanischen Küste, wo er ein riesiges Schlachtengemälde malt. Noch sieht er täglich die Touristenschiffe vorbeifahren und hört die Lautsprecherstimme der Reiseleiterin. Bald würde er sie nur noch wöchentlich sehen, um, "wenn die unbarmherzigen und grauen winterlichen Nordwestwinde, die sich in den Bocas de Poniente verfingen, Himmel und Meer verdüsterten", dann ganz auszubleiben.
Seit sieben Monaten lebt er nun hier, wovon er die ersten beiden brauchte, um diesen alten Wehrturm wohntauglich zu machen. Einmal in der Woche fuhr er ins Dorf, um sich Lebensmittel zu kaufen.
Eigentlich ist Faulques kein Maler; mehr als dreißig Jahre lang war er Fotograf, ein Kriegsfotograf, der an fast allen Kriegsschauplätzen dieser Welt gewesen war.

Eines Tages bekommt Faulques Besuch von einem Mann, den er im Jugoslawien-Krieg fotografiert hat und dessen Bild es auf viele Titelseiten schaffte. Ivo Markovic hat ihn viele Jahre gesucht, um den Mann kennenzulernen, der ihn berühmt gemacht hat.
Und der ihm nun auf seine Frage, was er hier wolle, eröffnet, dass er ihn töten wird. Aber nicht sofort. Erst zog er einen Bildband mit dem Titel "The Eye of War" von Faulques aus seinem Rucksack hervor. Und dann beginnt eine Unterhaltung, während der wir erfahren, welche Auswirkung es hatte, als Faulques das Bild schoss. Dem einen brachte es großen Erfolg, dem anderen zerstörte es sein Leben. "Sie sollen verstehen", hatte der Kroate gesagt. "Manche Antworten haben Sie ebenso nötig wie ich."

Das ist alles, was ich euch über dieses tolle Buch erzählen möchte. Das Gerüst habe ich euch gegeben, nun folgen lange Gespräche und Erinnerungen des Malers, über die jeder Leser für sich nachdenken kann, und zwar unbeeinflusst. Und Nachdenkenswertes gibt es vieles.
Ich habe das Gefühl, ich bin voll von dem Buch - keine Ahnung, wie ich das anders beschreiben könnte.
Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, hätte ich versucht, mir einen Mitleser zu suchen, sodass man sich nebenbei austauschen kann. Vielleicht kann ich euch das als Tipp mitgeben.

Wäre ich vor Jahren nicht über sein Buch Der Club Dumas gestolpert, wäre ich wohl gar nicht auf ihn aufmerksam geworden. Was wäre mir entgangen.

Ein tolles Buch, ganz anders als die anderen, die ich von ihm schon gelesen habe. Und das ich euch hiermit ans Herz lege.

Kommentare:

  1. Hey Anne,
    ist das ein erfundener Roman, der um echte Persönlichkeiten drumherum geschrieben wurde? Ich habe vieles vom Jugoslawienkrieg mitbekommen als Kind, da meine Wurzeln ja kroatisch sind. Meine Eltern habe einige Verwandte in diesem Krieg verloren, meine Tante ich ganzes Haus, Hab und Gut und mein Vetter ist geistig angeschlagen als Soldat wieder zurückgekommen. Klar, wer kann solche Gräueltaten verarbeiten, wenn man sie mal gesehen und selbst verübt hat...
    Deshalb interessiere ich mich jetzt wirklich für das Buch. ;-)
    Ich habe den Namen Ivo Markovic gegoogelt und gelesen, er wäre ein Theologe. Ist das im Buch auch so?
    Danke für den Tipp! Vielleicht kann ich es ja in angemessener Zeit lesen und wir tauschen uns dann im Nachhinein aus. :-)
    GlG, monerl

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    1. Nein, monerl, das ist ein "einfacher" Roman, bei A... sogar als Krimi hinterlegt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ist, so etwas zu erleben und dann auch noch damit leben müssen.
      Der Ivo Markovic im Buch ist ein ganz normaler Mann, kein Theologe.

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    2. Ja prima! Das gefällt mir noch besser! Würde mich aber tatsächlich interessieren, warum der Autor sich gerade diesen Namen ausgesucht hat...

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