22. September 2017

Mietek Pemper: Der rettende Weg - Schindlers Liste - Die wahre Geschichte

"Im Gedenken an die Millionen Opfer des Holocaust und zu Ehren von Oskar Schindler, dem mutigen Retter, dem mehr als eintausend Juden ihr Überleben verdanken."

Erinnert Du Dich an den Film Schindlers Liste? Für Steven Spielbergs Film von 1993 hat Mietek Pemper seine Lebensgeschichte aufgearbeitet. Erst danach konnte er sich überwinden, bei Vorträgen und in Schulklassen über sein Schicksal zu erzählen.
Pempers und Itzhak Sterns (Oskar Schindlers jüdischer Buchhalter) Tätigkeiten hat Spielberg aus dramaturgischen Gründen in der Figur des Schindler-Buchhalters (gespielt von Ben Kingsley) zusammengefasst, sodass Pempers Anteil weniger bekannt wurde.
Mietek Pempers Buch wurde dann 2005 veröffentlicht.


Während des Studiums 1938 an der Jagiellonen-Universität spürte Mietek Pemper das erste Mal, dass man ihn als Jude in seinem Heimatland Polen wohl nicht wirklich wollte.
Krakau wurde 1939 von den Nazis zur "urdeutschen" Stadt deklariert und deshalb kaum bombardiert. Ganz anders Warschau, das auf Hitlers Befehl dem Erdboden gleichgemacht werden sollte.
In der Hauptstadt des Generalgouvernements stieg der Wohnungsbedarf, und so sollten die Juden aus der Stadt vertrieben werden. Zuvor wurde aber Ende Oktober 1938 in Deutschland schon eine sogenannte Polenaktion durchgeführt. Tausende Juden, die vormals aus Polen stammten, sollten dorthin zurück. Da spielte es auch keine Rolle, dass viele von ihnen in Deutschland geboren wurden und nur die Eltern oder Großeltern aus Polen kamen.

Der vierzehnjährige Chaim Yechieli schrieb:

"Die SS hat uns über die Grenze ins Niemandsland getrieben, hat mit Stöcken geschlagen. Wir standen sechs Stunden zwischen den beiden Grenzen. Es gab einen Sprühregen. Und die Deutschen standen mit gezückten Revolvern auf der einen Seite und die polnischen Soldaten mit Bajonetten auf dem Gewehr auf der anderen."

Diese Situation muss man sich mal vorstellen. Diese Menschen stehen da, mussten alles zurücklassen und niemand will sie aufnehmen. Polen hat sie dann doch aufgenommen, sie wurden unter erbärmlichen Bedingungen in einer mittleren Grenzstadt untergebracht. Erst einen Monat später durften sie weiter ins Landesinnere, von wo aus sie dann versuchten, nach Amerika oder in andere Länder auszureisen. Wer es nicht rechtzeitig schaffte, fiel knapp ein Jahr später der SS in die Hände.

Ich selbst kenne Auschwitz nur als Ort des Schreckens. Für Mietek Pemper war Auschwitz bis dahin eine ganz gewöhnliche Stadt, die zum Schreckensort wurde. Etwa eine Million Juden und einhunderttausend Polen wurde hier umgebracht - nicht mitgerechnet die vielen Opfer aus anderen Ländern und ethnischen Gruppen.
Mit der Einrichtung eines Ghettos für die jüdische Bevölkerung verschärfte sich deren Situation noch mal. Jüdische Männer mussten 1941 die Mauer um ihr Ghetto errichten. 

Im Vernichtungslager Belzec wurden innerhalb von acht Monaten ungefähr 600.000 Juden vergast. Bauern aus der Umgebung berichteten vom Geruch verbrannten Fleisches. Und das war erst der Anfang.

Dank seiner Tätigkeit als Behördenkorrespondent wusste Mietek Pemper Bescheid über die Aufgabenfelder der Zivilverwaltung. Diese verlor zu Beginn 1942 die Verantwortung der "Judenangelegenheiten" an die deutsche Sicherheitspolizei (besser bekannt als Gestapo).

Später fragten ja viele, warum sich die Juden nicht gewehrt hätten. Mietek Pemper war der Überzeugung, dass das nichts genutzt hätte. Was hätten die paar bewaffneten Widerstandskämpfer, die es gab, auch gegen die deutsche Macht ausrichten können? Nein, Pemper war eher der Meinung, dass man so viele Menschen wie möglich vor dem Tode retten musste.

Die meisten Menschen im Ghetto glaubten ja, dass das ihre Endstation wäre. Doch Mietek erfuhr durch seine Arbeit, "daß es im Generalgouvernement bald kaum mehr Juden geben werde, allenfalls nur noch wenige, ,kaserniert in Zwangsarbeitslagern oder in Konzentrationslagern'.

Am 13./14. März 1943 wurde das Krakauer Ghetto aufgelöst. Nur etwa 8000 Menschen überlebten dieses Massaker und ihr Status hatte sich mit dem Verlassen des Ghettos grundlegend verschlechtert, als sie ins Lager Krakau-Plaszów kamen.

"Alles, was wir bisher an Grausamkeiten erlebt hatten, erfuhr noch einmal eine Steigerung. Es kam immer noch schlimmer. Ich wünsche niemandem, erleben zu müssen, was er unter Umständen aushalten kann."

Im Lager wurde Mietek Pemper zum persönlichen Stenographen von Amon Göth. Er sah seine Überlebenschancen als sehr gering an, da Göth für seine Grausamkeiten bekannt war. "Jeden Tag verbrachte ich mehrere Stunden mit Amon Göth. Jeden Tag mußte ich um mein Leben bangen. Die nervliche Zerrüttung, die das in mir anrichtete, läßt sich kaum beschreiben. Mir fehlt dazu das Vokabular." Über 540 Tage lang (vom 18. März 1943 bis zum 13. September 1944, seiner Verhaftung in Wien) musste Wietek Pemper das aushalten.
Anhand eines Schriftstücks erfuhr Mietek Pemper nun auch, dass sie nicht mehr als Ghettobewohner mit Außenstelle Jerozolimskastraße in Krakau galten, sondern Häftlinge eines Zwangsarbeitslagers und somit vollkommen rechtlos waren.

Bei Amon Göth musste man nicht nur Angst um sein eigenes Leben haben. Hatte er einen Häftling ermordet, wurden auch dessen Familienmitglieder umgebracht, weil Göth keine unzufriedenen Menschen im Lager haben wollte.

Die meisten Kriegsverbrecher wollten oder haben sich ja wohl damit herausgeredet, dass sie auf Befehl töteten. Schon auf den ersten achtzig Seiten dieses Buches erfahre schon von zwei Personen, denen es anscheinend sogar Spaß gemacht hat, jüdische Menschen umzubringen. Und das aus den fadenscheinigsten oder auch gar keinen bestimmten Gründen.

Auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 wurde die Ermordung sämtlicher Juden im Herrschaftsbereich beschlossen. Doch die fatale Entwicklung an der Ostfront bedeutete für das Deutsche Reich einen akuten Arbeitskräftemangel. Von November 1941 bis Januar 1942 starben in deutschen Lagern eine halbe Million russische Kriegsgefangene. Es wurde unverhohlen von "Vernichtung durch Arbeit" gesprochen. Fast alle Reparaturen an Uniformen und Stiefeln für die Soldaten der Ostfront wurden von jüdischen Zwangsarbeitern erledigt.

Und dann kam Oskar Schindler ins Spiel. Der eigentlich einen Textilbetrieb als Treuhänder übernehmen wollte. Zum Glück wurde aus diesen Plänen nichts, denn so ein Betrieb war nicht "siegentscheidend". So kaufte er einen metallverarbeitenden Betrieb, ohne den Schindlers Liste nicht möglich geworden wäre.

"In all den finsteren Jahren bin ich keinem zweiten Menschen begegnet, der wie Oskar Schindler über so lange Zeit so mutig und entschieden eine so große Rettungsaktion organisierte. Dabei war er keineswegs ein Heiliger, sondern sehr menschlich und oftmals leichtsinnig. Aber wir jüdischen Häftlinge konnten uns auf ihn verlassen. Er ließ uns niemals im Stich."

Mit diesem Zitat von Mietek Pemper beende ich die Buchvorstellung und lege es Dir ans Herz.

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