15. Juni 2018

Blogumzug

Moin miteinander,

da meine fleißigsten Kommentatoren nun alle umgezogen sind, wage ich noch einmal den Sprung. Ihr findet mich hier.

Solange dieser Blog noch Besucher hat, lass ich ihn stehen.

Liebe Grüße, Anne

14. Juni 2018

Eve Chase: Black Rabbit Hall

Spannende Familiengeschichte

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: Ende der 1960er- und der 1990er-Jahre.

Ende der 90er ist Lorna mit ihrem Verlobten Jon in Cornwall auf der Suche nach einer Örtlichkeit, an der sie ihre Hochzeit feiern können. Obwohl sie schon den ganzen Tag unterwegs sind, haben sie einfach nichts Passendes gefunden. Vieles war überteuert und geschmacklos. Doch tief im Innern scheint Lorna ein ganz bestimmtes Haus zu suchen. Eines, an das sie vage Kindheitserinnerungen hat. In Pencraw Hall haben sie es schließlich gefunden.

Pencraw Hall, besser bekannt als Black Rabbit Hall, ist ein uraltes Anwesen.
Früher hat dort die Familie Alton ihre Sommer verbracht: Nancy und Hugo mit ihren vier Kindern Amber, Toby, Kitty und Barney. Es war eine glückliche Zeit, bis die Mutter der Kinder starb.
Als Caroline Shawcross und ihr Sohn Lucian ins Haus kommen, scheint die schöne Zeit vorbei zu sein.

11. Juni 2018

Janko Lauenberger mit Juliane von Wedemeyer: Ede und Unku - die wahre Geschichte - Das Schicksal einer Sinti-Familie von der Weimarer Republik bis heute

Erschienen im Gütersloher Verlagshaus
Ich finde es so toll: Da stelle ich ein kleines, unscheinbares Büchlein, das ich während meiner DDR-Schulzeit gelesen habe vor und trete damit eine kleine Welle los. Monerl hat dann nämlich nachgeforscht und das Buch von Janko Lauenberger entdeckt und es auf ihrem Blog vorgestellt.

Und nun habe ich es auch gelesen und lege es euch ans Herz.

Das Büchlein von Alex Wedding endete vor der Nazizeit. Im Mai 1933 wurde es von den Faschisten verbrannt und es gehörte damit zu den verbotenen Büchern.

Janko Lauenberger, Ur-Cousin von Unku, hat die Geschichte der Familie weitererzählt. Ein gutes Fazit kann er zum Schluss des Buches leider nicht ziehen. Der Rassismus scheint heute "in Wellen über unser Land zu schwappen".  In den 90er Jahren hat er das nicht so schlimm empfunden. Wer ihn da nach seiner Herkunft fragte, tat das aus Interesse. Heute erntet er oftmals "unfreundliche und bohrende" Blicke.

In einem meiner Kommentare bei Ede und Unku schrieb ich, dass es in dem Buch weniger um Unkus Familie ging als vielmehr um den Klassenkampf der Arbeiter. Ansonsten, davon ist Janko Lauenberger überzeugt, wäre es nie in den Schulplan mit aufgenommen worden. So haben es seit den 50er Jahren Millionen Schüler gelesen.

Nach mehr als dreißig Jahren erst erfuhr die Familie, dass es über sie ein Buch gibt. Und während es dort ein gutes Ende nimmt, war dies für Unku keinesfalls so. Sie, ihre beiden Töchter und ihre Mutter starben in Auschwitz. Nur der Vater überlebte. Das einzige was ihm von Unku blieb, sind die Bilder aus dem Büchlein.

Dieses nun vorliegende Buch hat Janko Lauenberger geschrieben, weil er, nun selbst Vater geworden, nicht will, dass seine Kinder denselben Vorurteilen gegenüberstehen. Vorurteile, die bis heute bestehen. Laut einer Umfrage aus dem Jahre 2014 stoßen die Sinti und Roma auf mehr Ablehnung, als jede andere Gruppe. "20 Prozent der Befragten würden uns nicht einmal zum Nachbarn haben wollen. Wenn ich so etwas höre, muss ich schon aus Verzweiflung etwas tun." - Wer sind wir, dass wir uns so dermaßen über andere Menschen erheben.

Mit zwölf Jahren, als sich Unku taufen lässt, erfährt sie schon eine Spur von Rassismus von ihrer Patin Frieda Zeller-Plinzner. Zu dieser Zeit ist Grete Weiskopfs Buch schon verboten und sie selbst mit ihrem Mann im Exil.

Im Juli 1936, zwei Wochen vor den Olympischen Spielen, werden die Berliner Wagenplätze geräumt. Angeblich wegen der Hygiene. Nun stehen sie zwischen den Rieselfeldern der Berliner, direkt an den Bahnschienen. Dort gibt es für alle nur zwei Toilettenanlagen und regelmäßig kommen LKWs mit Jauche, die hier entsorgt wird.
Im August 1938, Unku ist mittlerweile mit Mucki verheiratet, bringt sie ihr erstes Kind zur Welt, eine Tochter. Mucki, gefangen in Buchenwald, erfährt erst einen Monat später, dass er Vater geworden ist und er wird seine Tochter nie im Arm halten.

1. September 1939 - der Zweite Weltkrieg hat begonnen. Unku, die mittlerweile mit ihrer Gruppe in Magdeburg lebt, muss ein Papier unterschreiben. Kein Sinto, kein Rom darf Magdeburg verlassen. Sie dürfen nicht mehr reisen. Ihr wird übel.

Unku wird Zwangsarbeiterin in der Sack- und Planfabrik "Curt Röhrich". Die Firma stellt auch "Zelte für General Erwin Rommels Afrikafeldzug her, dessen Truppen in der libyschen Wüste gerade gegen die Briten kämpfen. Und in ihrem anderen Betrieb in der Hennigestraße Uniformen".
1941 geschieht etwas, dass Unkus Geheimnis bleiben soll, neun Monate später bringt sie ihre zweite Tochter Bärbel zur Welt.
Mucki stirbt, ohne dass er seine Familie noch einmal gesehen hat, an den medizinischen Versuchen, die ihm in Buchenwald angetan wurden.

Am 1. März 1943 werden Unku, ihre Töchter und alle anderen ihrer Gruppe mitten in der Nacht abgeholt und in geschlossene Güterwagen verfrachtet.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig neugierig machen auf Unkus wahre Geschichte. Und auch auf den Autor Janko Lauenberger, der hier auch aus seiner Kindheit erzählt, die er in der DDR zubrachte.

Monerls Rezension könnt ihr hier nachlesen.

8. Juni 2018

Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts




Habe ich euch erzählt, dass ich zehn Jahre in einem Briefmarkenverein war und dort viele Jahre biografisches Material über Frauen zusammengetragen habe? Dieses Material ist mir ja leider bei meinem PC-Crash abhanden gekommen. Aber: Ich fand die Frauen, besonders die Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen aus dem 19. Jahrhundert besonders interessant. 
Das 19. Jahrhundert kenne ich ja auch von den Sherlock-Holmes-Geschichten und von der Monk-Krimi-Reihe von Anne Perry, von der ich schon einige Teile gelesen habe. Ich möchte nicht unbedingt sagen, dass ich zu der Zeit hätte leben mögen, aber leserisch gesehen halte ich mich liebend gerne in dieser Zeit auf.

Es wird also ein nächstes Projekt hier geben. Während sich das ein oder andere Buch bestimmt zufällig in meiner Sammlung finden lässt, mache ich mich nun bewusst auf die Suche nach Büchern von Schriftstellerinnen aus dem 19. Jahrhundert. Das erste Buch ist heute angekommen: Schicksalsweg einer Frau von Isolde Kurz. Sie lebte von 1853 bis 1944.
Zu diesen Schriftstellerinnen werde ich dann auch immer eine kleine Biografie schreiben.

Wenn euch mal ein gutes Buch in die Hand fällt zu diesem Thema, ich würde mich über Tipps freuen.

6. Juni 2018

Ein Himmel voller Bücher (Neu im Regal)


Heute klau ich mal meine Überschrift von einem Buch und hoffe, die Autorin wird es mir nicht übel nehmen. Aber Ein Himmel voller Bücher klingt einfach so wundervoll.

Über so einen "Neu im Regal"-Beitrag freue ich mich immer riesig. Weil ich so meine Freude über meine neuen Schätze mit euch teilen kann. Ich glaube, ich muss öfter so einen Beitrag bringen, denn der hat permanent auch wesentlich mehr Besucher, als meine einzelnen Buchbeiträge.

Was mich aber so richtig glücklich macht: Ich habe wieder einige neue Bücher über Bücher entdeckt ❤


5. Juni 2018

Charlie Lovett: Jane Austens Geheimnis

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 1796 begleiten wir in Steventon, Hampshire, Jane Austen und in Oxfordshire lernen wir in der Gegenwart Sophie Collingwood kennen, die seit ihrer Kindheit eine Leseratte und Buchliebhaberin durch und durch ist. Die Liebe zu den Büchern hat sie nicht aus dem Elternhaus, obwohl es dort eine richtige Bibliothek gab. Nein, an die Bücher herangeführt und vor allem auch über sie gesprochen, hat sie ihr Onkel Bertram, der Bruder ihres Vaters. Ihre besondere Liebe gilt den Büchern des 19. Jahrhunderts und da besonders denen von Jane Austen und Krimis. 

Eines Tages, als Sophie bei den Eltern zu Besuch ist, erfährt sie, dass ihr Onkel gestorben ist. In einem ihrer letzten Gespräche mit ihm fragte er sie, ob sie es sich vorstellen könnte, in London, in seiner Wohnung mit all den Büchern zu leben, wenn er mal nicht mehr ist. Sie zieht tatsächlich in seine Wohnung, doch als sie dort ankommt, sind alle Bücherregale leer. Der Vater hat sie zum Verkauf abholen lassen, um die Schulden des Onkels zu bezahlen.

4. Juni 2018

Hans Fallada: Der eiserne Gustav

Als ich das Buch gelesen habe, war das Thema brandaktuell. Fängt die Geschichte doch zu Beginn des Ersten Weltkriegs an. Passende Bücher liegen in den Läden aus, das Fernsehprogramm ist voll von Dokumentationen und die Museen zeigen passende Ausstellungen.

Den eisernen Gustav gab es wirklich. Nur hieß er Gustav Hartmann. Am 2. April 1928 startete er mit seiner Droschke und dem Wallach Grasmus nach Paris (über 1000 Kilometer). Der Zeitungsreporter Hans Hermann Theobald begleitete ihn. Am 4. Juni 1928 kamen sie dort an.

Da um diese Zeit die Anzahl der Autos auf den Straßen stetig zunahm, war diese Reise als Aktion gegen den Niedergang des Droschkengewerbes gedacht. Dabei hatte, anders als die Romanfigur, Hartmann nichts gegen Autos. Ganz im Gegenteil: zurzeit seiner Reise nach Paris besaß er selbst ein Taxi.

Hans Fallada beschreibt in seinem Buch die Geschichte Gustav Hartmanns. Wir lernen ihn als Gustav Hackendahl kennen. Hackendahl ist das gestrenge Oberhaupt seiner Familie. Einst Wachtmeister bei den Pasewalker Kürassieren haben seine Frau und die fünf Kinder zu parieren. Sein Wort ist Gesetz. Er führt einen gut florierenden Droschkenbetrieb, hat mehr als 30 Pferde in den Ställen und beschäftigt Droschkenkutscher.

1. Juni 2018

Leseplanung



Moin, ihr Lieben,

ich habe mich so über meinen Lese-Mai gefreut. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mal wieder sieben Bücher gelesen. Das war einfach herrlich. Und weil ich gerade so schön im Fluss bin, habe ich ein paar Bücher rausgesucht, die ich in den kommenden Wochen lesen möchte. Es sind ein bisschen mehr als sieben und im Juni werde ich sie nicht alle schaffen. Aber es soll ja auch kein Wettbewerb werden.

31. Mai 2018

Dirk Hempel/Frauke Reinke-Wöhl: „Wie eine Schädeldecke“ – Walter Kempowskis Haus Kreienhoop

 Von Dirk Hempel habe ich vor einiger Zeit die wundervolle Biografie über Walter Kempowski vorgestellt.
Im jetzigen Buch stellt er uns gemeinsam mit Frauke Reinke-Wöhl Haus Kreienhoop vor. Kempowskis literarisches Refugium. Das er schon begann zu planen, als er in Bautzen einsaß. Es wurde nach und nach errichtet und von seinen Einkünften als Schriftsteller finanziert.
Laut Hempel hatte Kempowski Spaß daran, den beiden sein Haus und die Schränke zu öffnen, sich in Pose zu setzen.
Ich weiß nicht, ob er von den Landfrauen, die ihn regelmäßig besuchten, auch immer so erfreut war:

Nartum, 27. Juni 1991
Gegen Abend 30 Landfrauen, die unser Haus besichtigen wollten. Ich zog mich zurück und ließ es Frau Schönherr machen, die die Damen ja auch eingeladen hatte.
Unter solchen Umständen muß ich arbeiten. Ein Wunder, daß ich überhaupt etwas zustande bringe. Ich blieb am Schreibtisch sitzen und war ebenfalls zur Besichtigung freigegeben.


Aus: Somnia – Tagebuch 1991 von Walter Kempowski


29. Mai 2018

Marina Vlady: Eine Liebe zwischen zwei Welten - Mein Leben mit Wladimir Wyssozki

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das ich abgöttisch liebe, und dass ich wie einen Schatz hüten werde. Ich habe es jetzt das zweite Mal gelesen und musste einfach drauf los schreiben, um euch diese beiden Menschen nahezubringen.

"Wie der ganze Saal bin ich bis ins Mark erschüttert von der Gewalt, der Verzweiflung, der unerhörten Stimme des Schauspielers."

So erging es Marina Vlady 1967, als sie Wladimir Wyssozki das erste Mal auf der Bühne sah. Nach der Aufführung treffen sich die beiden und er gesteht ihr, dass er sie schon sehr lange liebt. Und das, wo er verheiratet ist, Kinder hat, doch er weiß, das Marina mal seine Frau wird. Und sie ist beeindruckt von ihm. Seine Augen haben es ihr angetan. Und seine Verwegenheit bringt sie aus der Verfassung. Und so treffen sie sich wieder.

Marina erzählt hier ihr Leben mit Wladimir, und sie spricht ihn dabei direkt an. Als wenn sie dieses Buch nur für ihn geschrieben hätte. Eine schöne Idee, wie ich finde.

28. Mai 2018

Erwin Strittmatter: Tinko

Tinko ist ein Kinder-/Jugendbuch von Erwin Strittmatter, an dessen Titel ich mich noch erinnere. Allerdings habe ich keine Erinnerung daran, das Buch damals als Kind gelesen zu haben. Ich lass mich also überraschen, ob ich was verpasst habe.

Tinko lebt bei den Großeltern auf dem Hof in Märzbach. Der Krieg und die Hungerjahre sind vorbei. Nun soll es besser werden. Neu und gerecht.

Mit dafür sorgen, dass es besser wird, will der Heimkehrer, Tinkos Vater. Neue Sitten bringt er mit auf den Hof. Und stößt so immer mit dem Großvater aneinander. Tinko sitzt oft zwischen den beiden. Der Alte will das Heft nicht aus der Hand geben.

Die Geschichte wird aus Tinkos Sicht erzählt. Er besucht zwar die Schule, Zeit für die Hausaufgaben hat er meist aber nicht. Er muss auf dem Feld helfen. Der Großvater waltet wie ein alter Patriarch. Solange er kann, müssen auch die anderen können. Egal, wenn Tinko ne schlechte Note bekommt. Den Alten interessiert es nicht, ob Tinko was lernt. Er ist für ihn eine billige Arbeitskraft. Es ist ihm auch egal, dass seine Frau kaum noch aufrecht stehen kann.

Der Heimkehrer sorgt dafür, dass Tinko die Schule besucht und Hausaufgaben macht. Doch dann überwirft er sich mit dem Alten und zieht aus. Und so muss Tinko zu Hause wieder schuften.
Eines Tages kommt ein Brief von Matthes, dem totgeglaubten jüngeren Sohn. Er war in Gefangenschaft und kommt wieder nach Hause, um den Hof zu übernehmen. Ob das alles so klappt, lest selbst.

Zu Beginn bin ich in die Geschichte schwer reingekommen. Es wollte sich kein richtiger Lesefluss einstellen. Das liegt daran, dass Erwin Strittmatter so schreibt, wie die Menschen damals gesprochen haben. Und viele der Wörter nutzen wir heutzutage nicht mehr. Aber man liest sich nach einer Weile ein und dann macht es auch richtig Spaß, über vergessene Wörter zu stolpern.
Interessant auch, wie die Menschen sich zusammenraufen. Da sind viele, die nach vorne schauen, aber auch die, die im Gestern verharren und die anderen aufhalten.

Im Endeffekt stelle ich fest, dass ich das Buch früher nicht gelesen habe, ich aber froh bin, es jetzt nachgeholt zu haben.

26. Mai 2018

Frances Greenslade: Der Duft des Regens

Familienschicksal ohne Happy End

Maggie schreibt diese Geschichte auf. Jenny bat sie darum, das Ganze für sie zu sortieren. Sie lebten in den Wäldern von Kanada, in Duchess Creek. Das Haus, in dem sie wohnten, war keines, in dem man alt werden konnte. Ab und an gab es Strom, aber nur für die Lampen. Es gab zwar einen Elektroherd, aber die Mutter kochte, wenn überhaupt, lieber auf dem Holzofen. Wenn sie im 20. Jahrhundert ankommen wollte, meinte sie, dann würde sie nach Vancouver ziehen. Als Toilette gab es ein Plumpsklo. Und direkt am Waldrand wurde eine schwere Badewanne aufgestellt.
Die Mädchen hatten wohl eine glückliche Kindheit, doch Maggie machte sich tagtäglich Sorgen. Sorgen darüber, dass ihre Mutter sich mit der Axt verletzte, oder dass sie, wenn sie von der Schule nach Hause kam, ihr Häuschen zu Asche verbrannt vorfand.

"Wir waren eine normale Familie; das ist unsere Geschichte. Unsere Tage bestanden aus Flussufern und Schotterstraßen, Fahrrädern und Grashüpfern. Aber sobald du Gedanken spinnst, öffnest du eine Tür. Du lockst die Tragödie an. Das hat meine Sorge mich gelehrt."

Das ging so weit, dass Maggie abends nicht einschlafen konnte, nachts noch einmal aufstand, um in die Küche gehen zu können, um etwas zu trinken. Dabei vergewisserte sie sich, ob alles in Ordnung war.
Eine glückliche Kindheit stelle ich mir irgendwie anders vor. Von solchen Ängsten sollte doch kein Kind geplagt sein.

23. Mai 2018

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung


"Du musst sofort kommen. Wir haben die Buchhandlung gekauft. Scheiße, wir haben eine Buchhandlung gekauft!"

Für diesen Satz liebe ich Petra Hartlieb. Da hat die Familie Hartlieb - Frau, Mann und zwei Kinder -, zufrieden in Hamburg lebend, mal eben so eine Buchhandlung in Wien gekauft. Man hat ja einen Ex, der einem einen zinslosen Kredit gewährt und man hat Freunde in Wien, die einem ein Dach überm Kopf bieten, bis die Wohnung bezugsbereit ist. Was soll's also: Kaufen wir eine Buchhandlung.

Es ist die zweite Oktoberwoche, am 4. November soll in Wien Eröffnung sein. Es muss gekündigt werden, ein Kindergartenplatz gesucht werden, umgezogen werden und ein Buchladen muss neu renoviert und bestückt werden. Und dann muss der Mann nach der Neueröffnung wieder nach Hamburg zurück, seine halbjährige Kündigungsfrist einhalten. So steigt er ins Auto und lässt mich "als frischgebackene alleinerziehende Unternehmerin ohne eigene Wohnung zurück. Mich, die ich nie mehr alleinerziehend sein wollte. Auch nie Unternehmerin. Und Buchhändlerin bin ich ja auch nicht. Wie gut, dass ich keine Zeit habe, darüber nachzudenken, wie sehr ich mich überfordert fühle".

Swetlana Alexijewitsch: Die letzten Zeugen: Kinder im Zweiten Weltkrieg

Zig Jahre haben sie geschwiegen. Aber irgendwann muss es hinaus. Beim Einmarsch der Deutschen in Weißrussland waren sie noch Kinder. Nun sprechen sie das erste Mal: "Die letzten Zeugen" von Swetlana Alexijewitsch.

"Ist die Welt, unser Glück oder gar die ewige Harmonie zu rechtfertigen, wenn in ihrem Namen auch nur eine einzige Träne eines unschuldigen Kindes vergossen wird? Und antwortete darauf: Nein, kein Fortschritt, keine Revolution kann diese Träne rechtfertigen. Kein Krieg. Sie wiegt immer schwerer. Nur eine einzige Träne… (nach Dostojewski)"

Mir fällt es schwer, etwas über das Buch zu schreiben. Es hat keine durchgehende Handlung. Daher möchte ich hier nur einige Kinder mit einem Satz zu Wort kommen lassen und damit vielleicht euch anregen, mehr über das Schicksal der Kinder erfahren zu wollen.

Shenja Belkewitsch, 6 Jahre, heute Arbeiterin:
So ist es in meinem Gedächtnis haftengeblieben: Krieg, das ist, wenn Papa fort ist.

Gena Juschkewitsch, 12 Jahre, heute Journalistin:
Ich hatte gedacht, im Krieg würden nur Männer getötet.

Katja Korotajewa, 13 Jahre, heute Ingenieurin für Hydrotechnik:
Ich will von den Gerüchen erzählen.

Mischa Majorow, 5 Jahre, heute Doktor der Agrarwirtschaft:
Alles aus diesen Tagen habe ich schwarz in Erinnerung: schwarze Panzer, schwarze Motorräder, deutsche Soldaten in schwarzer Uniform.

Wassja Charewski, 4 Jahre, heute Architekt:
So erschüttert hat mich im Leben nur noch die Liebe.

Es ist grauenhaft, was Kinder im Krieg erleben müssen. Und mit welchen grauenhaften Erinnerungen sie dann das ganze Leben verbringen müssen.
Als Leser fühle ich mich einfach nur ohnmächtig. Ohnmächtig deshalb, weil schon wieder solch grauenhafte Dinge geschehen.

22. Mai 2018

Blog spezialisieren?


Moin, ihr Lieben,

wer mich länger kennt, weiß, dass ich die "Bücher über Bücher" über alles liebe. Und ich habe davon auch schon eine richtig gute, nicht mehr allzu kleine Sammlung.
Nun spiele ich mit dem Gedanken, meinen Blog zu spezialisieren und nur über diese meine Lieblingsbücher zu bloggen.

Was haltet ihr davon? 

Hintergrund?
Ich liebe meinen Blog. Doch in den letzten Tagen und Wochen habe ich wirklich überlegt, ob ich das Bloggen beende. Die viele Zeit im Internet, wo ich doch schon dienstlich dreißig Stunden am PC arbeite.
Aber nein, ich weiß genau, wenn ich Schluss mache, fehlt mir was. Allerdings würde ich gerne nur noch über mein Lieblingsgenre bloggen.

Ein paar Rezensionsbücher habe ich noch, die ich natürlich noch bearbeiten werde.


Bin gespannt, was ihr von der Idee haltet.

Liebe Grüße, Eure Anne



20. Mai 2018

Helene Hanff: Die Herzogin der Bloomsbury Street - Eine Amerikanerin in London


In ihrem Briefbuch 84, Charing Cross Road konnte man immer wieder lesen, wie sehr es Helene Hanff nach London zog. Es war ihr Traum. Erst recht, wo sie doch durch ihren Briefwechsel mit dem Antiquariatsbuchhändler Frank Doel persönlichen Kontakt dorthin hat.

18. Mai 2018

Elisabeth Rynell: Schneeland

Dieser Roman, der autobiografische Elemente erhält, war der Durchbruch für die Autorin. Davor schrieb sie Gedichte, einen Roman und Essays. Der Klappentext besteht nur aus Lobeshymnen - und wie ich meine, ganz zu Recht.

Eine Frau erfährt am Telefon, dass ihr Mann im Krankenhaus nach einer Operation gestorben ist. Und diese Szene ist so eindringlich beschrieben, dass sie mir direkt unter die Haut ging und ich eine Gänsehaut bekam.

Dann ein Schwenk in eine frühere Zeit, zu einem Mann, Aron, ein Landstreicher. Er fuhr viele Jahre zur See. Nun ist er unterwegs. Er wollte nach Norden, hat Stockholm an einem Tag passiert. In seiner Begleitung der riesige Hund Lurv. Hinter Uppsala wurden die Abstände von Dorf zu Dorf größer.

Diese Wanderung ist sehr schön beschrieben. Wie der Hunger ihn fast auffrisst. Er mag nicht an jedem Haus klopfen, man weiß ja nicht, an wen man gerät.

17. Mai 2018

In eigener Sache

Moin, ihr lieben Leseratten und Buchliebhaber,

kurz und bündig: Ich suche einen Blogpartner oder eine Blogpartnerin. Hast du Lust oder kennst du jemanden, der Lust hätte?
Wie oft du postet, sei dir überlassen. Wie Du Lust und Laune hast.

Einzige Bedingung: Die vorgestellten Bücher sollten zu diesem Blog passen.Aber ob nun nur ein bestimmtes Genre oder quer durch die Bank, spielt gar keine Rolle.

Bei Interesse wirst Du als Autor freigeschaltet und kannst Dich entfalten.

In würde mich freuen, wenn sich jemand meldet. Bei Fragen, schreibe mich ruhig an (didonia64@gmail.com).

Liebe Grüße
Anne

16. Mai 2018

Sam Millar: Die Bestien von Belfast

Ein Fall für Karl Kane, Bd. 1
Nichts für schwache Nerven

Der Irish Herald meint:
"Leser mit hohem Blutdruck sollten um dieses Buch einen großen Bogen machen."

Und man braucht wirklich schon von der ersten Seite an gute Nerven, um das erste Kapitel durchzuhalten.
Drei Tatorte, drei Verbrechen, brutale Verbrechen. Und ich habe das Gefühl, Sam Millar hat sich beim Schreiben seines Buches die Hände gerieben und sich genüsslich vorgestellt, wie seine Leser eine Schnappatmung nach der anderen bekommen. Zumindest ging es mir so.

Im Prolog sind wir in den 1970er Jahren. Irgendwo im üppigen Gras liegt eine junge Frau. Man hatte ihr Drogen und Alkohol eingeflößt, sie mit mehreren Männern brutal vergewaltigt und misshandelt. Ein Bein ist gebrochen. Sie überlebt das Ganze nur, weil die Kerle denken, dass sie tot sei. Doch als diese weg waren, wurden wilde Hunde von dem Blut angezogen.


14. Mai 2018

Claire-Louise Bennett: Teich


"Vom Leben in einem einsamen Cottage an Irlands Westküste" steht im Klappentext - und ich habe mir was ganz anderes vorgestellt, als ich im Buch bekomme.
Das Buch lebt nur von den Gedanken der jungen Frau, die sich in ein einsames Cottage zurückgezogen hat. Und diese Gedanken in geballter Ladung zu verarbeiten, ist nicht immer ganz einfach. Sie denkt bruchstückhaft an ihr Leben, lernt sie einen Mann kennen, kann sie ihn nur leicht alkoholisiert ertragen.
Ehrlich gesagt, bin ich für so ein Buch derzeit nicht bereit. Mir fehlt dafür die innere Ruhe, die man, wie ich meine, dafür unbedingt braucht.
Was ich sagen kann, ist, dass es toll geschrieben ist. Und wenn ich meine, die Ruhe dafür zu haben, werde ich es auf jeden Fall noch einmal in Angriff nehmen.