18. Oktober 2017

Stephan Naumann: Das Werk der Bücher

Erschienen im Gmeiner-Verlag
Die letzten beiden Sätze des Klappentextes haben mich aufhorchen lassen: "Er soll die bedeutendste Erfindung seiner Epoche, Gutenbergs Buchdruck, zugunsten des Teufels missbrauchen. Nathan macht sich auf den Weg nach Mainz... " - liebe ich doch Bücher, in denen es um Bücher, das Lesen oder die Literatur und was sonst noch damit zu tun hat, geht.

Aber welche Enttäuschung in der ersten Hälfte des Buches. Beschrieben wird Nathans Weg von London nach Mainz, auf dem er über Leichen geht. Ich kenne noch nicht viele Mittelalter-Bücher. Wenn ich davon ausgehe, dass Stephan Naumann vernünftig recherchiert hat, ist es eine Zeit in der ich nicht gerne leben würde. Gewalt, Krankheiten, Rechtlosigkeit und die Kirche bestimmen, wo es langgeht. Nathan ist ungefähr zehn Jahre alt, als er sein Ziel Mainz erreicht, um sein teuflisches Werk zu vollbringen.

Und ab hier, der zweiten Hälfte des Buches, wird mein Lieblingsgenre so richtig bedient. Ich lerne Johannes Gutenberg kennen und einen seiner Geldgeber, Johannes Fust und seinen Mitarbeiter Peter Schöffer. Während Fust Nathan als seinen Ziehsohn aufgenommen hat, versucht Gutenberg ihn davon zu überzeugen, dass der Böses im Sinne hat. Doch vergeblich. Sollte Nathan sein teuflisches Werk etwa vollenden können?

Was ich an diesem Buch toll finde, ist die Schreibweise des Autoren. Ich habe hier keine modernen Wörter in der Geschichte gefunden. Es wird auch hauptsächlich erzählt, das, was an wörtlicher Rede da ist, ist in Reimen geschrieben. Stephan Naumann erzählt auch, wie es im Mittelalter zuging, gibt uns Informationen über die großen Städte, durch die Nathan zog.

Alles in allem ein interessantes Buch, das ich jedem, der sich für diese Zeit interessiert, empfehlen kann.

14. Oktober 2017

Giselas Samstagsfragen


Eine Aktion, bei der ich heute pünktlich bin, aber man kann die Samstagsfragen von Giselas Lesehimmel noch die ganze Woche beantworten.


Welches Buch/Bücher hat Euch schon mal so berührt, dass Ihr es sacken lassen musstet? Ja, es Euch sogar unmöglich war, gleich zu einem neuen Buch zu greifen.


Das geht mir ständig so bei meinen Büchern Gegen das Vergessen. Oder auch bei ganz besonderen Biografien. Oder auch bei besonders schönen Büchern. Zu jedem habe ich hier ein Beispiel für euch.




Nackt unter Wölfen hat Bruno Apitz schon 1958 geschrieben. 2012 brachte der Aufbau-Verlag dann diese Neuauflage heraus. Ich habe es gelesen, wobei mir oftmals der Atem stockte. Was dieser Junge erleben musste und die Männer, die ihn beschützen wollten, es ist immer wieder unfassbar für mich. Und das, wo ich nun schon so einige Bücher zu diesem Thema gelesen habe.

Ich habe noch zwei Bücher gefunden, die zu dieser Geschichte passen und werde sie alle drei noch hier vorstellen.






An diesem Tage lasen wir nicht weiter von Will Schwalbe hallte auch lange in mir nach, nicht nur, weil Will Schwalbes Mutter eine tolle Frau war, die leider an Krebs starb, sondern weil mir in diesem Buch noch andere Menschen begegnet sind, die mir eine Weile nicht mehr aus dem Kopf gingen.

Diese Buchvorstellung bringe ich dann mal kommende Woche.




Und wer nach dieser wunderschönen und gleichzeitig traurigen Liebesgeschichte Die Brücken am Fluß von Robert James Waller sofort zum nächsten Buch greifen kann, der hat kein Herz :-) Francesca und Robert - ich freue mich schon auf die beiden, denn dieses Buch ist ja eines der zehn, die ich in der kommenden Zeit lesen möchte. Das gibt wieder Tränen.


Liebe Gisela, danke für die schöne Frage, hat mich gefreut, dazu ein paar Bücher gefunden zu haben.

Thomas Franke: Das Haus der Geschichten

Erschienen bei GerthMedien
Thomas Franke ist ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Das merkt man diesem wundervollen Debütroman auch an.

Kennt ihr die Krankheit ekklesianische Sichteintrübung und Liebesparadontose? Nein? Marvin kannte sie bisher auch nicht. Doch das sollte sich ändern. Zumindest erfuhr er, dass es solche Krankheiten gibt und was dagegen hilft. Nämlich Geschichten. Aber von vorne:

Marvin hat mal fast wieder verschlafen. Er hat einen Termin bei Frau Linder vom Arbeitsamt. Er hatte schon viele, und zu keinem ist er pünktlich gekommen. Er hatte auch schon viele Jobs, die alle nichts für ihn waren.
Das sollte sich heute ändern. Sie drückt ihm einen Zettel in die Hand, auf dem der Name einer Buchhandlung steht.

„Vermasseln Sie es nicht“, empfahl Frau Linder zum Abschied mit einer Stimme, so samtig und weich wie ein Stahlbetonpfeiler.

Nach einem Telefonat mit Rasmus-Salomo Eichdorff war Marvin tags darauf pünktlich um 15 Uhr beim Buchladen.

Ein merkwürdiges Gefühl bemächtigte sich Marvins, als er über das Kopfsteinpflaster auf das alte Geschäft zuging. Natürlich war er aufgeregt, wie immer angesichts eines bevorstehenden Vorstellungsgespräches. Aber dieses Mal spürte er noch etwas anderes, ein ungewöhnliches, aufgeregtes Kribbeln. Es war ein bisschen so, als stünde er am Anfang einer Reise.

Und dann erlebte er auch noch ein Vorstellungsgespräch, wie er sicher noch keines hatte. Rasmus-Salomo Eichdorff plauderte mit ihm über Kindheitsabenteuer und Jugendbücher. Wann hat er das letzte Mal mit einem Erwachsenen über Astrid Lindgren gesprochen? Und er wurde sich während des Gespräches wieder bewusst, wann und warum damals seine Begeisterung für Karl May nachgelassen hat.
Nach einem Kaffee und einem weiteren Gespräch über „Der Herr der Ringe“ hatte Marvin einen Arbeitsvertrag in der Tasche und soll tags darauf um 9 Uhr beginnen.

Nach einigen Tagen zeigte Eichdorff Marvin den Keller, in dem sie das Chaos beseitigen wollten, das Marvin gar nicht sehen konnte, so aufgeräumt wie alles war

„Hier…“. Der Alte winkte ihn näher und strich mit dem Finger über eine Reihe von Buchrücken. „Die ,Bekenntnisse‘ von Augustinus neben einer Bastelanleitung für Puppenstuben, ,Don Quichotte‘ eingekeilt zwischen einem Fremdwörterlexikon aus dem Jahre 1952 und dem Nibelungenlied im Urtext. Dann haben wir dort ein Buch mit einem Titel, den die Motten sich einverleibt haben, und zwei Werke, die irgendwie portugiesisch aussehen. Und hier, direkt neben Ihnen: Stevensons ,Schatzinsel‘ und die Memoiren von Gerhard Schröder – zwei Bücher, die ganz gewiss nicht in dieselbe Kategorie gehören.“ Er stemmte die Fäuste in die Hüften und knurrte: „Und Sie können das Chaos nicht sehen?“

Beim Ordnen der Bücher stieß Marvin auf eine Tür und erfuhr, dass sich dahinter eine Apotheke befindet. Eine narratorische Apotheke. Die Medizin: Geschichten für Menschen mit den verschiedensten Problemen.

Was das für Menschen sind und welche Geschichten ihnen helfen und ob vielleicht auch Marvin von ihnen profitiert, lest selbst.

13. Oktober 2017

Cristina De Stefano: Oriana Fallaci – Ein Frauenleben

Du wirst nicht viel Zeit haben, um die Dinge zu begreifen und sie zu erledigen. Die Zeit, die man uns gibt, in dem, was man Leben nennt, ist viel zu kurz. Und so ist es nötig, dass alles in großer Eile geschieht.

Heute möchte ich Dich auf eine interessante Frau aufmerksam machen. Eine Frau, die schon sehr früh erwachsen werden musste, da sie schon als Kind den Krieg miterlebte und im Untergrund arbeitete. Eine Frau, die sich mit ihrer Berufswahl eine Männerdomäne eroberte.

Am 4. September 2006 kehrt Oriana Fallaci nach Florenz zurück. Ihr Neffe begleitet sie auf ihrem Flug. Ihr Krebs ist im letzten Stadium, weshalb sie ein Privatflugzeug nehmen musste. Keine Fluggesellschaft wollte sie als Passagier haben.
Die letzten 50 Jahre lebte sie in New York. Doch zum Sterben möchte sie dahin, wo alles begann. Sie igelt sich auf ihrem Sitz ein und erinnert sich:

Als Oriana Fallaci 1929 in Florenz geboren wurde, war ihrem Leben keine erfolgreiche Karriere vorherbestimmt. Ihre Mutter musste für die Familie des Mannes das Aschenputtel spielen und sie bat ihre Tochter oft: Lerne, studiere, schau dir die Welt an. Und als Oriana 1977 den Ehrendoktortitel am Columbia College in Chicago annimmt, sagt sie in ihrer Dankesrede:

Ich widme diesen Ehrentitel meiner Mutter Tosca Fallaci, die nicht die Universität besuchen durfte, weil sie in einer Zeit, in der arme Frauen nicht studieren durften, arm war und eine Frau.

Oriana bekommt noch zwei Schwestern und viel später, als sie selbst schon erwachsen waren, noch eine Adoptivschwester. Es gab keinen Stammhalter, und so zog Orianas Vater sie wie einen Jungen auf.

Die entscheidende Rolle für ihre spätere Berufswahl spielte ihr Onkel väterlicherseits: Bruno Fallaci. Er gehört der Welt der Schreibenden an, ist mit der Schriftstellerin Gianna Manzini verheiratet und selbst ein erfolgreicher Journalist. Einer seiner Ratschläge, die Oriana immer wieder zitiert: „Vor allem eins: Den Leser NIEMALS langweilen!“

Orianas Kindheitserinnerungen sind eher trauriger Natur. Die Mutter hungert öfter, damit die Kinder etwas in den Magen bekommen. Aber sie sorgt auch dafür, dass man der Familie die Armut äußerlich nicht ansieht. Aus Alt mach Neu war ihre Devise. Und der Vater schreinerte Möbel, nur einen Geschäftssinn hat er nicht – er war eher ein Künstler.

Schon als Kind interessierte sich Oriana für ihre Vorfahren. In einer Truhe gab es jede Menge Andenken an frühere Familienmitglieder. 1944 wird die Truhe samt Haus bei einem Bomenangriff total zerstört. Nur weil Oriana einige Briefe der Vorfahren abschrieb, blieben diese erhalten. Sie hat damals schon begriffen, „dass jedes Ding eine Sprache hat und zu einer Geschichte werden kann – man muss nur gut zuhören können“.

Die Fallacis haben schon immer gegen die Obrigkeit aufbegehrt. Aber um die Politik kümmerte sich der Vater. Die Mutter teilte zwar die Meinung, hatte aber gar keine Zeit, den Kindern zu erklären, warum Mussolini schlecht war. Es war halt so.

Oriana wird ein Kind des Krieges. Diese Zeit hat sich ihr tief ins Gedächtnis eingegraben. „Ich war ein Mädchen, das sich mit Hunger, mit Kälte und Angst auskannte.“ Und sie kämpfte als Kind schon mit ihrem Vater im Untergrund.

Orianas Vater wird denunziert und ins Gefängnis geworfen. Man foltert ihn, sodass sie ihn, als sie ihn endlich besuchen dürfen, gar nicht erkannten.

Nach dem Krieg, Florenz liegt in Trümmern, macht der Vater in der Aktionspartei Gewerkschaftsarbeit. Oriana wurde als einfacher Soldat aus der italienischen Armee verabschiedet. Da war sie 16 Jahre jung.

Das dritte Kapitel hat die Überschrift „Ein Haus voller Bücher“ und ich war ganz traurig, dass es nur acht Seiten hat. Die Autorin lässt Oriana hier eine kleine Geschichte erzählen, die ich unbedingt aufschreiben muss, weil ich sie so schön finde:

Als ich noch klein war, kaufte meine Mutter Wolle im Strang, die sie dann zu einem Knäuel aufwickelte. Den Anfang des Knäuels knotete sie immer um ein zerknülltes Stückchen Papier, ob es nun ein weißes Blatt, ein Stück Zeitung oder eine Quittung aus dem Lebensmittelladen war. Mich brachte die Neugier jedes Mal schier um, wenn ich zusah, wie das Knäuel beim Stricken immer kleiner wurde, weil ich es nicht erwarten konnte zu erfahren, was sie wohl diesmal reingesteckt hatte. War das Knäuel zu Ende, hielt ich das Stück Papier ganz fest und drehte es in meinen ungeduldigen, kleinen Fingern hin und her. Wie gesagt, kam es durchaus öfters vor, dass es nur ein unbeschriebenes Stück Papier war, und in diesem Fall war die Enttäuschung groß. Stand jedoch etwas darauf, gab ich es sogleich der Mama, damit sie es mir vorlas, und lauschte ihr verzückt. Selbst die Rechnung aus dem Kaufladen erzählte mir eine Geschichte.

Was für ihre gesellschaftliche Herkunft eher ungewöhnlich ist, ist, dass Orianas Eltern leidenschaftliche Leser sind. Sie kaufen ihre Bücher auf Raten.

Diese acht Seiten haben es in sich. Ich möchte sie Dir am liebsten abschreiben, aber das geht leider nicht.

Oriana verliebt sich nach den ersten Seiten von „Ruf der Wildnis“ von Jack London in den Hund Buck und London selbst war ihr erstes Vorbild. Er ist für sie „der Inbegriff des schriftstellernden Journalisten, in dem sich Neugier und Abenteuerlust mischen“.

Da ihr jederman sagte, der Beruf des Schriftstellers wäre nur etwas für reiche oder alte Leute, arbeitete sie darauf hin, Journalistin zu werden.
Sie weiß, dass sie in diesem von Männern dominierten Beruf besser sein musste, als alle anderen und arbeitete akribisch.

Arrigo Benedetti, Herausgeber des „Europeo“, sagte zu ihr:

Du musst aufpassen. Du bist gut und wirst dir in unserer Branche keine Freunde machen, weil das alles Primadonnen sind, die einer Frau wenig zugestehen. Genauer gesagt, gar nichts. Tatsache ist, dass du dir einfach alles nehmen musst, ohne darauf zu warten, dass sie es dir geben, und damit wirst du dir nicht viel Sympathie verschaffen.

Und da Florenz zu klein für sie wurde, ging sie für den „Europeo“ nach Rom, wo aber erst einmal eine Zeit des Hungers begann.

Hiermit schließe ich und hoffe, ich habe Dich neugierig gemacht auf das Leben von Oriana Fallaci.

Nur noch so viel: Oriana Fallaci arbeitete auch für renommierte internationale Zeitungen. Sie berichtete 1956 über den Ungarn-Aufstand und wurde beim Massaker von Tlatelolco durch Schüsse verletzt. Sie interviewte berühmte Menschen, darunter auch Ayatollah Chomeini und schrieb Bücher, die in 20 Sprachen übersetzt und in 31 Ländern veröffentlicht wurden.

Nach ihrer Reise nach Ungarn schrieb Oriana das, was mir heute dauernd durch den Kopf geht:

Wie können wir als Männer und Frauen mit Bewusstsein uns denn noch für die Liebschaften von Filmstars interessieren, für die Skandale der High Society oder für die Filmpremieren, die man im Smoking und tiefem Dekolleté besucht?

Eine absolut interessante Biografie. Mich hat sie so neugierig gemacht, dass ich nun noch etwas Geschriebenes von Oriana Fallaci lesen möchte. „Wir, Engel und Bestien – Ein Bericht aus dem Vietnamkrieg“ habe ich mir schon besorgt.

TTT am Donnerstag, 12.10.2017

Okay, bei mir kommt die Aktion einen Tag später, gestern habe ich es einfach nicht mehr geschafft.



Heutige Aufgabe: Nenne 10 Bücher, welche du gerne als nächstes lesen möchtest!

So richtig aufmerksam geworden auf diese Aktion bin ich bei Giselas Lesehimmel. Aus der Taufe gehoben wurde sie von  Alice im Bücherland im Februar 2011. Dann hat sie Steffis Buchblog übernommen und nun führt sie Aleshanee von Weltenwanderer weiter.
Ich mag ja Bücherlisten. Und vielleicht schaffe ich es, in Zukunft auch am Thursday zu posten. Ob ich zu jeder Frage was beisteuern kann, bleibt abzuwarten.

Dass ich nun mit einer Liste zu Büchern beginnen kann, die ich in nächster Zeit lesen möchte, freut mich besonders, kann ich Dir doch zeigen, auf was Du dich die nächsten Wochen freuen kannst.
Und sollte ich es schaffen, diese Planung auch nur ansatzweise durchzuhalten, mache ich so eine kleine Leseliste vielleicht öfter mal.

So, nun aber möchte ich dich nicht länger auf die Folter spannen:

Mister Morris Lessmore liest und schreibt für sein Leben gern. Doch eines Tages wirbelt ein schwerer Sturm seinen geordneten Alltag gehörig durcheinander. Morris landet in einer seltsamen Schwarz-Weiß-Welt, in der er einem äußerst freundlichen Wesen aus einem kleinen blauen Buch begegnet. Es weist ihm den Weg zu einem farbenfrohen Haus, das von lebendigen Büchern nur so wimmelt - Morris beginnt, mit den Büchern zu leben. Er repariert sie, wenn sie fast auseinanderfallen, er befreit sie von lästigen Eselsohren und taucht in ihre Geschichten ein. Doch nachts, wenn alle Bücher im Regal stehen und schlafen, zieht er sich zurück, um an seiner eigenen Geschichte weiterzuschreiben. Die Jahre vergehen und Morris wird alt. Bis sein Buch eines Tages vollgeschrieben ist.


Seit dem Tod ihrer Mutter ist Holly Expertin darin, Menschen auf Abstand zu halten. Doch als sie einen unerwarteten Brief ihrer Tante aus Zakynthos erhält, beginnen die Mauern zu bröckeln. Holly reist auf die griechische Insel und versucht, den Spuren ihrer Familie zu folgen - einer Familie, von deren Existenz sie zuvor nichts wusste. Warum hat ihre Mutter nie von ihrer Schwester erzählt? Und was hat es mit der handgezeichneten Karte auf sich, die Holly und ihr Nachbar Aidan in einem alten Haus finden?



Ingrid Bergman (1915-1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie "Berüchtigt" von Alfred Hitchcock, "Das Haus der Lady Alquist", "Casablanca", "Wem die Stunde schlägt", "Die Kaktusblüte" oder "Herbstsonate". Im Lauf ihrer fast 50-jährigen Karriere erhielt sie drei Oscars.

Ihr Leben hingegen war für die Tochter eines schwedischen Vaters und einer deutschen Mutter, die beide früh starben, eines ohne festen Boden. Als Johanna von Orleans verehrt, entfachte ihre Beziehung mit Regisseur Roberto Rossellini vor allem in Amerika einen Skandal, der sie über Jahre die Sympathien des Publikums kostete. Auf der Basis neuer Quellen und zahlreicher Gespräche mit der Familie - u. a. mit den Töchtern Isabella Rossellini und Pia Lindström - sowie mit Weggefährten - u. a. mit Schauspiellegende Liv Ullmann - schildert Thilo Wydra in dieser ersten neuen Biographie seit vielen Jahren das beeindruckend vielfältige Schaffen und leidenschaftliche Leben der großen Schauspielerin, die in sich zerrissener war, als ihr öffentliches Bild es nahelegt.

April 1949: Auf Islands Bauernhöfen herrscht Frauenmangel, im Nachkriegsdeutschland kommen auf einen Mann fünf Frauen, viele von Ihnen ohne Zukunftsperspektiven. Im Laufe dieses Jahres werden etwa 300 Frauen nach Island auswandern und die bislang größte Einwanderergruppe auf Island bilden. Die meisten der vom Krieg traumatisierten Frauen assimilieren sich erstaunlich schnell. Kaum eine der deutschen Landarbeiterinnen kehrt nach Deutschland zurück. Sie heiraten Isländer und gründen in der neuen Heimat Familien. Die heute noch Lebenden erzählen fast alle zum ersten Mal ihre Lebensgeschichte. Für einige von ihnen ist es die letzte Chance, an ihre Geschichte zu erinnern. Das vorliegende Buch porträtiert sechs von ihnen.



Furchtbar, wenn die beste Freundin in eine andere Stadt zieht! Wie gut, dass Clara noch Frau Eule und ihren Buchladen hat. Umgeben von all ihren Lieblingsbüchern, dem reimenden Kater Gustaf und dem sprechenden Spiegel Herrn König fühlt sie sich nicht so allein. Ganz besonders nicht in kuscheligen Mondscheinlesenächten. Denn wie sagt Frau Eule so schön: "Heute ist kein Tag für schlechte Laune!" Zum Träumen schön: Lesezauber für kleine Bücherfreunde! Von besten Freundinnen, sprechenden Katzen und dem allerschönsten Ort der Welt, mit warmherzigen Illustrationen von Florentine Prechtel.

Berlin, 1945: In der zerstörten Hauptstadt tobt die letzte sinnlose Schlacht des untergehenden Dritten Reiches. Der junge Flakhelfer Rasmus Eichdorff scheut kein noch so großes Risiko, um seine heimliche Liebe Emmi in Sicherheit zu bringen. Doch dann gerät er in russische Kriegsgefangenschaft. Desillusioniert, dem Glauben entfremdet und in völliger Ungewissheit über den Verbleib der Frau, die er liebt, droht Rasmus in tiefer Verzweiflung zu versinken. Wären da nicht ein alter Soldat und eine Sammlung allegorischer Erzählungen, die Hoffnung und verschüttetes Gottvertrauen wieder aufkeimen lassen ... Ein faszinierender Roman über die Kraft von Geschichten. Und über den Autor der größten Geschichte der Welt.

Kindheit und Jugend in Island, Styrimannastigur 15. Die Geschichte des Reykjaviker Kaufmannssohns Leifur Muller. Die Geschichte eines Verrats, einer Deportation - und des Überlebens im Konzentrationslager in Deutschland. Die Geschichte seiner Rückkehr von Sachsenhausen nach Island und der Aufhebung des Schweigens und des Verschweigens. Ein Bericht vom verlorenen und wiedergewonnenen Leben. 'Wohnt hier ein Isländer?' ist entstanden nach den Erinnerungen und Berichten des Leifur Muller, aufgezeichnet von Gardar Sverrisson und ins Deutsche übertragen von Franz Gislason und Wolfgang Schiffer.


Hinter der Fassade von Wiener Romantik, Kaiserwalzer und Kaffeehauskultur konnte sich eine avantgardistische Elite entwickeln, die in der Literatur, Kunst, Psychoanalyse, Wissenschaft und Politik Weltgeschichte schrieb. Doch während sich die Namen der Männer mühelos aufzählen lassen, kennt man kaum die Frauen, die durch ihr Wirken und Engagement als Ministerinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, Unternehmerinnen, Architektinnen oder Café- und Hotelbesitzerinnen tiefe Spuren in ihrer Stadt Wien hinterließen. Die Wiener Journalistin Isabella Lechner geht diesem Aspekt nach und beleuchtet mit Feinsinn, Humor und Wissen die Stellung der unangepassten und belesenen Wienerin in der jeweiligen Zeit. Das Eintauchen in die Biographien dieser klugen und in so vielerlei Hinsicht mutigen Damen ist gleichbedeutend mit einer 200-jährigen Entdeckungsreise durch die vielschichtigen Lebenswelten der Wienerinnen.

Ein Geheimtipp für alle, die London und die Literatur lieben 'Pure Wonne' (Der Tagesspiegel) bereitete die New Yorkerin Helene Hanff ihren Lesern mit '84, Charing Cross Road', dem wunderbaren Briefwechsel mit einem Londoner Buchhändler. Hanffs Tagebuch ihrer ersten London-Reise ist genauso charmant und liebenswert. Für einige Woche wird die literaturbesessene Amerikanerin in London zur gefeierten 'Herzogin' und genießt Interviews, Einladungen und Ausflüge nach Stratford upon Avon. Sie ist hingerissen von dem Land Shakespeares, Dickens und John Donnes, wirft jedoch auch einen augenzwinkernden Blick auf London und seine Bewohner. Hanffs zeitloses, scharfsinniges und selbstironisches Tagebuch ist eine hinreißende Liebeserklärung an London und Englands brillante Köpfe. Helene Hanff geboren 1917, wuchs in Philadelphia auf und lebte später in New York. Mit ihrem 1970 erschienenen Buch 84, Charing Cross Road gelang ihr ein Überraschungserfolg. Hanff starb 1997 in New York.


Der Fotograf Robert Kincaid, zweiundfünfzig Jahre alt, hat die ganze Welt gesehen. Noch immer zieht er unstet durch die Lande, allein, einsam, auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Motiv, nach ein wenig Unbeschwertheit und Glück. Als er sich eines Tages nach dem Weg zu einer alten versteckten Brücke von fast vergessener Schönheit erkundigt, begegnet er der Farmersfrau Francesca Johnson. Nach landläufigen Maßstäben glücklich verheiratet, dann sie doch nicht von den Träumen ihrer Jugend lassen. Robert und Francesca sind mutig genug, sich auf eine große, wunderbare, aussichtslose Liebe einzulassen. Vier Tage und drei Nächte lang tauchen sie ein in eine Liebe bis an das Ende aller Grenzen.


16 Jahre sind vergangen, seit Robert und Francesca ihre große Liebe, die nur wenige Tage und Nächte währte, aufgegeben haben. Während Robert seine Reise fortsetzte, blieb Francesca bei ihrem Mann und ihren Kindern. Inzwischen ist der Ehemann gestorben, die Kinder sind aus dem Haus und Francesca hofft auf ein Wiedersehen mit dem Geliebten. Und tatsächlich beschließt Robert eines Tages, an den Ort des verlorenen Glücks zurückzukehren, zu den Brücken von Madison County ...



Zum Schluss habe ich ein wenig gemogelt. Da ich Die Brücken am Fluss gerne lesen möchte, gehört dazu auch das Buch Der Weg der Liebe, das ich gleich als elftes mit aufgelistet habe.

12. Oktober 2017

Der Gang in den Buchladen


Ja ja, der Gang in den Buchladen wäre noch schöner, wenn ich nicht schon immer nach drei Minuten was finden würde. So komme ich nie dazu, mal so richtig zu stöbern.

Von Die Geschichte der Baltimores und Ich treffe dich zwischen den Zeilen schwärmen schon zwei Lesefreunde, da musste ich zugreifen. Und Ein Fleck im Meer klingt dermaßen spannend, ich denke, das werde ich ganz fix lesen.

Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores
Bis zum Tag der Katastrophe gab es die Goldmans aus Baltimore und die Goldmans aus Montclair. Die Baltimores hatten alles, was man sich vom Leben wünschen kann: Talent, Geld, Erfolg, ein prachtvolles Heim, zwei hochbegabte Söhne. Marcus Goldman gehörte zu den weniger glamourösen Montclairs. Nun, acht Jahre nach der Katastrophe, beginnt er, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben – und erkennt erst jetzt die wahren Gründe für die schrecklichen Ereignisse damals...

Stephanie Butland: Ich treffe dich zwischen den Zeilen
Mit ihren Piercings und tiefschwarz gefärbten Haaren versucht Loveday, die Welt von sich fernzuhalten. Sie umgibt sich lieber mit Büchern als mit Menschen und trägt die Anfangssätze ihrer Lieblingsromane als Tattoos auf dem Körper. Als sie Nathan kennenlernt, bekommt die Mauer, die sie um ihr Herz errichtet hat, Risse: Er nimmt Loveday mit zu einem Poetry-Slam, und die Gedichte öffnen beiden einen Weg, sich die Dinge mitzuteilen, für die ihnen sonst die Worte fehlen. Ihr dunkelstes Geheimnis behält Loveday aber weiterhin für sich. Doch als ein Buch sie zurück in ihre Vergangenheit führt, muss sie sich entscheiden: Will sie sich weiter verstecken und Nathan verlieren, oder findet sie mit seiner Hilfe endlich den Mut, über das zu sprechen, was sie einst so sehr verletzt hat?

John Aldridge/Anthony Sosinski: Ein Fleck im Meer
Was ist der einzelne Mensch in den Weiten des Ozeans? Nicht mehr als ein unbedeutender winziger Fleck? Mitten in der Nacht, vierzig Kilometer vor der Küste, ist der erfahrene Hummerfischer John aus Montauk bei rauer See über Bord gegangen - unbemerkt von seinem Freund Anthony, mit dem er gemeinsam das kleine Fischerboot Anna Mary betreibt.
Eine wahre Geschichte über den Willen, zu überleben und über eine Freundschaft zwischen zwei Männern, die alles füreinander tun.


So, und was war euer letzter Buchkauf?

11. Oktober 2017

Helene Hanff: 84, Charing Cross Road

84, Charing Cross Road, wie liebe ich diese Adresse. Helene Hanff hat sie in mein Bücherherz gebrannt.
Sie selbst lebt in der 14 East 95th St. in New York City. Es ist das Jahr 1949, Oktober.
In der Zeitschrift "Saturday Review of Literature" entdeckt sie eine Anzeige von Marks & Co. in der 84, Charing Cross Road in London. Ein Antiquariat. Was sie an antik denken lässt und für teuer hält. Sie schreibt einen Brief nach London, mit einer Bücher-Wunschliste.

Und so entsteht ein Briefwechsel, den jedes Leserattenherz höher schlagen lässt.

Es ist kein Roman, Helene Hanff hat keine geschrieben. Dieser Schriftwechsel fand wirklich statt. Man merkt zwischendurch auch, dass die Sammlung wohl nicht vollständig ist.
Dieser Briefwechsel fing ja geschäftlich an, weil sie in ihrer Gegend nicht die Bücher bekommen konnte, nach denen ihr der Sinn stand. Mit der Zeit wurde er aber privater. Sie verschickte an die Buchhandlung Lebensmittelpakete, da die in London nach dem Krieg knapp waren. Und so entspann sich auch zwischen den anderen Mitarbeitern und ihr ein schriftlicher Austausch.
Helene Hanffs größter Wunsch war es, einmal London zu besuchen. Doch erst 1971 sollte es ihr möglich sein, eine Lesereise zu machen. Da lebte Frank Doel schon nicht mehr (er starb 1969) und der Buchladen war geschlossen.

Die Erlebnisse dieser Lesereise sind dann in dem Buch Die Herzogin der Bloomsbury Street niedergeschrieben. Das Buch finde ich zwar auch ganz toll, aber es reicht nicht an diesen Briefwechsel heran.

Ich liebe dieses Büchlein so, weil ich aus jeder Pore von Helene Hanff ihre Bücherliebe herauslese. Einfach wunderbar.