21. August 2017

Ann O'Loughlin: Das Café in Roscarbury Hall


Die Eltern von Ella und Roberta kamen bei einem Autounfall ums Leben. Der Vater, Rechtsanwalt von Beruf, hat sein Geld in das Anwesen Roscarbury Hall gesteckt und bei Pferdewetten verloren. So hat er nicht für die Töchter vorgesorgt.
Die Schwestern versuchten alles, um Geld reinzubekommen. Schlussendlich mussten sie einen Kredit aufnehmen, den die Bank nun einfordert. Aus lauter Verzweiflung hat Ella ein kleines Café eröffnet. Ob es den Namen wirklich verdient, muss sich erst noch zeigen, denn bisher handelt es sich dabei nur um vier kleine Tische im Wohnhaus.

Eines Tages schneit die Amerikanerin Debbie herein, die sich auch gleich als Aushilfe anbietet.

In der Folge erfährt man, dass Debbie als Kind adoptiert wurde, sie jetzt Krebs hat und wohl nicht mehr lange zu leben hat und hier in Irland auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter ist. Doch ihr bleiben nur noch zwei Wochen Zeit, dann müsste sie wieder nach Amerika, ihre finanziellen Angelegenheiten klären und sich in ein Hospiz begeben.

Zwischendurch gibt es immer einen Sprung nach Amerika, ins Jahr 1968. Debbie erinnert sich hier an ihre Kindheit, an die Adoptiveltern. Debbie hat ihre Mutter sehr geliebt, obwohl diese meistens mehr als ungeduldig mit ihr war. Der Vater versuchte immer zwischen den beiden zu vermitteln. Bis die Mutter eines Tages verschwand, und Debbie mit dem Vater allein zurückließ.

Auch Ella hat mit der Vergangenheit zu kämpfen. Sie hat Mann und Tochter sehr früh verloren und es gibt immer wieder Situationen, wo sie sich erinnert. Daran, dass Ella heute so leidet, ist Schwester Roberta auch beteiligt.

Ob sich das alles für alle positiv auflöst? Wird Debbie noch erfahren, wer ihre Mutter war und werden die beiden Schwestern sich noch aussöhnen? Lest selbst.

Mir hat das Buch gut gefallen. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, keine bleibt mir fremd. Es war schön, mich lesend wieder mal in Irland aufgehalten zu haben. Das lag sicherlich auch mit daran, dass es eine irische Autorin ist, die diese irische Geschichte geschrieben hat. Ann O'Loughlin war fast drei Jahrzehnte als Journalistin tätig und hat während der Unruhen in Irland als Sicherheitskorrespondentin gearbeitet.

20. August 2017

Neu im Regal



Auch wenn ich mir fest vorgenommen habe, keine Bücher mehr zu kaufen, so landet doch das ein oder andere Buch mal bei mir und findet sein Zuhause.

Meine besondere Liebe gilt den Büchern von der Büchergilde - in Leinen gebunden, mit einem Lesebändchen versuchen und besonders hoch schlägt mein Herz, wenn sie auch noch illustriert sind. Das ist für mich Buchkunst, die ich mir auch noch hin und wieder leisten kann.

Mit den beiden Büchergilde-Schätzen beginne ich dann auch gleich mal:

Herz auf Eis von Isabelle Autissier
Louise und Ludovic erfüllen sich den Traum einer Weltumsegelung. Doch als die beiden auf einer unbewohnten Insel stranden, wird aus dem Abenteuer ein Kampf ums Überleben, ihre Liebe und ihre Menschlichkeit.
Beim Verlag mare gibts dazu eine Leseprobe.

In Love von Alfred Hayes - Dieser Roman wurde nach 60 Jahren wiederentdeckt
New York in den 50er-Jahren: Auf einer Party erhält eine junge Frau das unmoralische Angebot eines distinguierten Herrn, gegen Bezahlung mit ihm zu gehen. Sie könnte problemlos ablehnen, lässt sich aber darauf ein - und zerstört ihr bisheriges Leben. Erst jetzt wird ihrem Freund, den sie verlässt, bewusst, wie sehr er sie liebt. Mit dem Gefühl, die Chance seines Lebens vertan zu haben, will er sich keinesfalls zufrieden geben.
Auch hier gibts eine Leseprobe.


Weiterhin zu mir gefunden haben:

Liljecronas Heimat von Selma Lagerlöf
Die junge, fröhliche Pfarrerstochter Maja Lisa lebt mit ihrem Vater auf dem Gutshof Lövdala in Värmland. Ihr Leben verändert sich drastisch, als ihr Vater zum zweiten Mal heiratet. Bald beginnt die neue Gutsherrin, ihre Stieftochter zu quälen und den Hof mit eiserner Hand zu regieren. Doch dann lernt Maja Lisa den Musiker Sven Liljecrona kennen, und ihr Leben gewinnt einen neuen Sinn.

Wie das Böse durch die Liebe besiegt werden kann, ist eines der Hauptthemen in Selma Lagerlöfs Werk. In Liljecronas Heimat steht es im Zentrum des Geschehens.


Liebe zwischen den Zeilen von Veronica Henry
Die kleine Buchhandlung Nightingale Books hat Emilia von ihrem geliebten Vater übernommen. Im Herzen des verschlafenen Städtchens Peasebrook ist sie eine Begegnungsstätte für die unterschiedlichsten Menschen mit ihrem Kummer und ihren Träumen. Doch Julius Nightingale war ein großer Buchliebhaber und kein Buchhalter - der Laden steht kurz vor dem Ruin. Emilia bleiben nur wenige Monate, um diesen besonderen Ort vor einem Großinvestor zu retten. Denn nicht nur sie findet hier Freundschaft und Liebe...

Das klingt nach einer banalen und vorhersehbaren Geschichte - aber wenn da eine Buchhandlung mitspielt, liebe ich sie jetzt schon.

Supernatural - In Fleisch gemeißelt von Tim Waggoner
Dass ich den beiden süßen Typen im Buchladen begegne, damit hätte ich nicht gerechnet. Um so erfreuter war ich, da ich schon eine Weile überlegt habe, ob ich mir mal ein Buch dieser Serie kaufen sollte. Na ja, diese Entscheidung wurde mir dann abgenommen.

Wiederholte Sichtungen eines Höllenhundes und die Entdeckung einer völlig dehydrierten Leiche im Ohio-Städtchen Brennan rufen Sam und Dean auf den Plan. Doch als die Winchesters den monströsen Vierbeiner einfangen, entpuppt sich die Bestie als eine Art Frankensteinhund - ein Monster, geschaffen aus diversen Leichenteilen.
Schon bald bekommen es die Brüder mit verrückten Wissenschaftlern, Biotechnologie, jahrhundertealten Alchemisten, wandelnden Leichen und einer uralten, äußerst bösartigen Macht zu tun...

19. August 2017

Leseprojekt: Schöne Bücher für und über Frauen



 Vor drei Tagen habe ich Salonfrauen aus dem Elisabeth Sandmann Verlag vorgestellt. Und wie ich gesehen habe, mag auch Renate von Lauschen, Lesen, Lebenslust diese Bücher (mal ein wenig runterscrollen), ebenso wie viele von euch - das haben mir die Klicks gezeigt.
Nun bin ich so richtig auf den Geschmack gekommen, mal eine Leseaktion mit diesen Büchern zu starten - habe ich mir doch schon eine schöne kleine Sammlung zusammengekauft.



Frauen, die lesen, sind gefährlich und Die Damen mit dem grünen Daumen sind richtige Bestseller geworden.

Mein Leseprojekt soll drei Monate umfassen - von September bis November (bei Gefallen hänge ich auch gerne noch den Dezember ran). Ich glaube, ein Monat wäre zu wenig. Da müsste ich hetzen, um so viele Bücher wie möglich zu schaffen und ich hätte die Qual der Wahl aus all diesen tollen Titeln.

In meine engere Wahl kommen Frauen, die den Faden in der Hand halten (das 3. von unten im unteren Bild), Briefe liebe ich, für Briefe lebe ich (das 3. von oben im unteren Bild) und Die Sufragetten (im oberen Bild).

Und nun kannst Du als Blogbesucher noch ins Spiel kommen. Bist Du auf ein Buch neugierig, trage es im Kommentar ein. Ich werde es dann mitlesen. Sollten es mehrere werden, werde ich sie der Reihe nach lesen, wie sie in den Kommentaren auftauchen.

So, nun schwelge ich in Vorfreude auf das Kommende und bin gespannt auf eure Vorschläge.

18. August 2017

Liz Fenwick: Ein Garten in Cornwall


Demi erlebt im Berufsleben eine Schlappe und wird von ihrem Freund, mit dem sie zusammen in einer Wohnung lebt, bitter enttäuscht. Bei ihren Freundenn kann sie nicht unterkommen und so nimmt sie einen Nachtzug und flüchtet nach Cornwall zu ihrem Großvater. Der scheint an angehender Demenz zu leiden, da er seine Enkelin immer wieder mit dem Namen seiner Tochter anredet. Aber vielleicht ist es auch nur eine Altersvergesslichkeit (meine Großtante hat mit über 80 Jahren die Frauennamen der Familie auch alle durcheinandergewürfelt, war ansonsten aber geistig auf der Höhe).
In einem zweiten Strang lerne ich Victoria kennen, verheiratet mit Charles Lake. Sie ist 60, voll auf ihr Anwesen fixiert, dass anscheinend lange der Familie gehörte und sie durch Charles wieder zurückerhielt. Sexuell wird sie von ihrem Mann wohl nicht befriedigt, sodass sie sich jüngere Männer sucht. Nur der gut gebaute Gärtner versteht es, sie in dieser Hinsicht zu ignorieren.

Demi erfährt von ihrem Großvater, dass ihr Vater, an den sie keine Erinnerung hat, noch lebt. Dabei hat ihr ihre Mutter, die kürzlich verstorben ist, immer erzählt, dass er schon lange tot sei. Besagter Vater ist Charles Lake.

Victorias Mann ist geschäftlich außer Haus und will erst am kommenden Morgen wieder zurück sein. Da will sie sich die Nacht über mit Adam, ihrem Liebhaber vergnügen. Ausgerechnet in dieser Nacht klingelt die Polizei bei ihr und teilt ihr mit, dass ihr Mann einen Autounfall hatte und gestorben ist.
Einerseits ist sie traurig, andererseits: Nun gehört ihr das Anwesen ganz alleine und sie braucht es mit niemandem teilen. 


Eine ganze Weile plätschert die Geschichte nur so dahin und hüpft abwechselnd von Demi zu Victoria. Doch dann kommt der Tag, an dem die beiden sich Aug in Auge gegenübersitzen. Nämlich bei der Testamentseröffnung. Wobei Victoria davon ausgeht, dass sie bis auf ein paar Kleinigkeiten, Alleinerbin ist.
Doch so klein sind diese Kleinigkeiten gar nicht. Millionenbeträge gehen an verschiedene Stiftungen und Organisationen. Die Bombe platzt, als bekannt wird, dass das Anwesen und die letzten circa vier Millionen Pfund zu gleichen Teilen an Victoria und Demi gehen.
Während eines Gespräches mit dem Anwalt erfährt Demi, dass nicht Charles sich nicht um sie gekümmert hat, sondern dass ihre Mutter es nicht wollte. Weil er sich nicht von seiner Ehefrau trennen wollte. 


Was war damals wirklich geschehen? Das versucht Demi in der Folge herauszufinden. Und werden sich die Frauen zusammenraufen? Das lest selbst.

Die Geschichte ist eine leichte Sommerlektüre, die ich mit Vergnügen gelesen habe. Interessant könnte sie für Gartenliebhaber sein, denn man erfährt hier einiges über den Unterschied von früheren und heutigen Gärten. 

Hier spricht die Autorin darüber, warum es gerade Cornwall sein muss, über das sie schreibt.

Und das Rezept für ein Rosinenbrot ihres Großvaters klingt auch ganz lecker.

16. August 2017

Ulrike Müller: Salonfrauen - Leidenschaft, Mut, geistige Freiheit

Der literarische Salon von Madame Geoffrin (1755) - (wikipedia)

"Der Salon war (...) das höchste Ziel der Pariserin, der Trost ihrer reifen Jahre, der Ruhm ihres Alters.
... Sie verwandte ihre ganze Intelligenz darauf, opferte ihm alle übrigen Neigungen, erlaubte sich von dem Augenblick an, in dem sie sich dazu entschlossen hatte, keinen anderen Gedanken mehr, keine Zerstreuung, keine Zuneigung, keine Krankheit, keine Traurigkeit. Gattin, Mutter und Liebende war sie nur mehr in zweiter Linie."

Madam
Marie d'Agoult, in ihren Memoiren (Bd. 2), um 1835

Vor noch gar nicht langer Zeit war der Zugang zur Bildung den Frauen verschlossen. Von Gymnasien und Universitäten waren sie ausgeschlossen und eine Berufsausbildung kaum möglich. Doch der Bildungshunger war ungebrochen.So entstanden Salons. Sie wurden hauptsächlich von Frauen gegründet und gestaltet - privat oder öffentlich.
Die Salonnièren boten so "einen unkonventionellen Freiraum für intellektuellen Gedankenaustausch, Dichtung, Philosophie und Politik, Musik und Bildende Kunst. Drei Gruppierungen haben sich mit der Zeit herausgebildet:

1. Regentinnen und Repräsentantinnen des Adels an den europäischen Höfen
2. hochgebildete, oft adlige Vertreterinnen der freien und käuflichen Liebe, die eher neben der Gesellschaft lebten: Hetären, Kurtisanen, auch Künstlerinnen
3. Frauen aus dem Großbürgertum und Bürgertum, besonders Frauen des liberalen Judentums

 
In der Einleitung wird weiterhin erklärt, woher der Begriff "Salon" kommt, wie lange es die Salonkultur schon gibt (sie ist nämlich keine Erfindung der Frauen des 19. Jahrhunderts) und was die Frauen sich von einem Salon erhofften.

Ulrike Müller stellt uns in ihrem Buch Frauen zu vier verschiedenen Salonthemen vor:

1. Die Sprach- und Sprechlustigen: Literatur und mehr
2. Die Intellektuellen: Zwischen Politik und Philosophie
3. Musen, Mütter, Meistersängerinnen: Schwerpunkt Musik
4. Jägerinnen und Sammlerinnen: Schwerpunkt Bildende Kunst

Obwohl ich mich ja ganz allgemein für das Leben von Frauen interessiere, sind für mich die Sanonnièren der Literatursalons am interessantesten. Vorgestellt werden hier Caroline Schlegel-Schelling, Rahel Varnhagen, Sinaida Wolkonskaja, George Sand und Natalie Clifford Barney.

Aber auch viele unbekanntere Namen werden hier erwähnt.
Bevor die Frauen genauer vorgestellt werden, gibt es zu jeder Thematik noch ein kleines Vorwort, in dem weitere Salonnièren aufgeführt werden, denen man bei Interesse nachspüren kann.

Über Politik und Philosophie ließ es sich vortrefflich streiten bei u. a. Marie d'Agoult, Fanny Lewald und Berta Fanta.
Für Frauen ändern sich die Zeiten; sie streiten für Demokratie und Menschenrechte, gehen 1848 dafür sogar auf die Barrikaden.

Der musikalische Salon blühte in Europa um 1830 auf wie nie zuvor. Vorrangig in Paris. In diesem Kapitel wird über die sechs Salonfrauen in der Zeit von der Romantik bis zu den Anfängen der Neuen Musik  berichtet: Amalie Beer, Johanna Kinkel, Livia Frege, Carolyne von Sayn-Wittgenstein, Pauline Viardot-Garcia und Winnaretta Singer-Polignac.

Zum Schluss wird das Thema Bildende Kunst aufgegriffen. Hier sind vertreten: Valtesse de La Bigne, Berta Zuckerkandl, Marianne von Werefkin und Gertrude Stein.
Dass Frauen ebenso wie Männer große Mäzeninnen und Sammlerinnen waren, ist schon längst bekannt. Gründlich erforscht werden müsste allerdings noch die Bedeutung der Salonkultur für die Förderung und gesellschaftliche Akzeptanz innovativer Kunstrichtungen und KünstlerInnen".

Ein interessanter Blick in die Salonkultur, den ich sehr genossen habe. Lesenswert wären sicherlich auch Briefe und Tagebücher dieser Damen. Da werde ich mal schauen, ob ich fündig werde.



12. August 2017

Bücherliste von Mira und Anne

Seit dem 1. September 2014 lesen Mira und ich monatlich ein Buch gemeinsam (ha, wie vor drei Jahren, bin ich auch dieses Mal im September wieder dran, ein Buch auszuwählen). 
Auf die Idee sind wir gekommen, als wir festgestellt haben, dass wir jede Menge dieselben Bücher im Regal stehen haben. Da bot sich so ein Langzeitprojekt doch an. Und bisher haben wir noch keinen Monat ausfallen lassen (höchstens mal die Tage verschoben).


















Hier nun unsere gemeinsame Liste (die Fettmarkierten haben wir schon gelesen):
  1. Adolf Muschg: Sax
  2. Agatha Christie: Blausäure
  3. Agatha Christie: Das Haus an der Düne
  4. Agtha Christi: Der Tod auf dem Nil
  5. Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek
  6. Agatha Christie: Ein Mord wird angekündigt
  7. Alex Campus: Reisen im Licht der Sterne
  8. Alexander Wolkow: Der Zaueberer der Smaragdenstadt
  9. Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz
  10. Anna-Karin Palm: Die Töchter des Malers
  11. Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren
  12. Astrid Lindgren: Kati in Amerika, Italien, Paris (abgebr.)
  13. Astrid Rosenfeld: Adams Erbe
  14. Carla Guelfenbein: Der Rest ist Schweigen
  15. Cecilia Ahern: Der Ghostwriter
  16. Charles Dickens: Eine Geschichte von zwei Städten (abgebr.)
  17. Christopher Morley: Das Haus der vergessenen Bücher
  18. Christopher Morley: Eine Buchhandlung auf Reisen
  19. Colin Thompson: Bücher öffnen Welten
  20. Dai Sijie: Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht (abgebr.)
  21. Daniel Pennac: Wie ein Roman
  22. David Foenkinos: Charlotte
  23. David Gilmour: Unser allerbestes Jahr
  24. Donany Hans: Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gelegt
  25. Maria Duenas: Wenn ich jetzt nicht gehe (abgebr.)
  26. Elizabeth Joy Arnold: Einundachtzig Worte
  27. Elizabeth Strout: Amy & Isabelle
  28. Erik Fosnes Hansen: Das Löwenmädchen
  29. Eric Neutsch: Spur der Steine
  30. Frances Greenslade: Der Duft des Regens
  31. Frances Spalding: Virginia Woolf, Leben, Kunst und Visionen
  32. Geraldine Brooks: Die Hochzeitsgabe
  33. Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling
  34. Günter Grass: Katz und Maus (abgebr.)
  35. Guinevere Glasfurd: Worte in meiner Hand
  36. Hans Fallada: Der Alpdruck
  37. Hans Fallada: Der Bettler, der Glück bringt
  38. Hans Fallada: Der eiserne Gustav
  39. Hans-Jürgen Geerts: Hoffnung hinterm Horizont (Buch zu Georg Büchner)
  40. Herman Melville: Moby Dick
  41. Isabel Allende: Mein erfundenes Land
  42. Jenna Blum: Die uns lieben
  43. Jens Andersen: Astrid Lindgren-Ihr Leben
  44. John Irving: Straße der Wunder
  45. John Irving: Witwe für ein Jahr
  46. J. R. Moehringer: Knapp am Herz vorbei
  47. J. R. Moehringer: Tender Bar
  48. Jonathan Franzen: Die Korrekturen
  49. Jostein Gaarder: Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort
  50. Katharina Hartwell: Der Dieb in der Nacht
  51. Kimberley Wilkins: Der Wind der Erinnerung
  52. Kitty Sewell: Zeit der Eisblüten
  53. Lawrence Norfolk: Das Festmahl des John Saturnall
  54. Malala Yousafzai: Meine Geschichte
  55. Marian Izaguirre: Als die Träume noch uns gehörten
  56. Mark Twain: Meine geheime Autobiographie
  57. Markus Walther: Beatrice / Rückkehr ins Buchland
  58. Mary Kay Andrews: Die Sommerfrauen
  59. Michael Morpurgo: Nur Meer und Himmel
  60. Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
  61. Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels (abgebr.)
  62. Natalio Grueso: Der Wörterschmuggler
  63. Nick Hornby: Miss Blackpool (abgebr.)
  64. Nicholas Drayson: kleine Vogelkunde Ost-Afrikas
  65. Peter Walther: Hans Fallada
  66. Peter Wawerzinek: Rabeneltern (abgebr.)
  67. Petra Oelker: Das klare Sommerlicht des Nordens
  68. Regis de Sa Moreira: Das geheime Leben der Bücher
  69. Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
  70. Sandor Marai: Wandlungen einer Ehe
  71. Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit
  72. Tracy Chevalier: Zwei bemerkenswerte Frauen
  73. Yasmina Khadra: Der Schreiber von Kolea

Michael Morpurgo: Nur Meer und Himmel - Die Geschichte meines Großvaters


Lesen mit Mira

Michael (Mitte bis Ende der 50er Jahre, schätze ich) erinnert sich an die Albträume, die er als kleiner Junge immer bekam, kurz bevor sein Großvater mütterlicherseits die Familie besuchte. Der Traum
    
begann mit einem Gesicht, einem verzerrten, gequälten Gesicht, das lautlos schrie, ein Gesicht ohne Haare und Brauen, mehr Schädel als Gesicht, ein Schädel mit stramm über die Wangenknochen gezogener vernarbter, runzliger Haut. Es war Großvaters Gesicht, und er starrte mich aus seinem Schrei heraus an. Und jedes Mal brannte sein Gesicht, Flammen züngelten aus seinem Mund und den Ohren. 

Wenn Großvater kam, gab es Dutzende Warnungen vorab: Das Spielzeug nicht liegenzulassen, weil er schlecht sah, nicht so viel fernsehen, weil er keinen Lärm vertrug. Und vor allem: Ihn ja nicht anstarren.
Aber das konnte Michael nicht. Er wusste, dass er Schreckliches im Krieg erlebt hatte. Und er musste auf die verbotenen Stellen gucken. Auf die Hände, an denen Finger fehlten, das entstellte Gesicht.
Michael wollte unbedingt mehr über diese Zeit erfahren, auch mehr über seine Großmutter, der er nie begegnet war. Doch die Eltern waren nie bereit, etwas zu erzählen.

Mit zwölf war Michael das erste Mal während der Ferien beim Großvater auf den Scilly-Inseln. Die Albträume hatten aufgehört. Er war gern bei ihm und glücklich. Großvater war ein stiller Mensch.


Abends las er viel, stundenlang, lauter Bücher, in denen es um Boote ging - von Arthur Ransome, C. S. Forester und Patrick O'Brian. Er hatte keinen Fernseher, deshalb las auch ich. Ich glaube, ich habe in meinen Ferien auf den Scilly-Inseln sämtliche Bücher von Arthur Ransome gelesen. 

Manchmal erwischte der Großvater Michael, wie der ihn anstarrte. Aber die Angst war verschwunden und Michael konnte ihn dann anlächeln.

Und genau das war es, was der Großvater an Michael so mochte: Dass dieser ihn ansah, den Blick nicht abwandte von seinem Gesicht, seinen Händen.

Und dann erzählte der Großvater seine Geschichte. Diese Geschehnisse, die er weder seiner Frau Annie noch seiner Tochter erzählen konnte: Michael erzählte er sie nun.

Nur Meer und Himmel ist ein kleines Meisterwerk. Mit wenigen, aber treffenden Worten und Bildern von Gemma O'Callaghan, die das Wesentliche hervorheben, zeigt Morpurgo, dass diese schreckliche Zeit nicht totgeschwiegen werden kann und darf. Er zeigt, dass eine Familie zerfallen kann, wenn man schweigt, aber auch, dass man wieder zueinander finden kann, wenn man miteinander spricht.

Michael Morpurgo ist einer der bekanntesten britischen Kinder- und Jugendbuchschriftsteller. Hauptsächlich schreibt er Abenteuergeschichten im Stil von Robert Louis Stevenson. Aber wie ich gesehen habe, hat er auch Jugendbücher über den Krieg geschrieben. 


Hier gehts zu Miras Buchbesprechung.